Jetzt weiß die ganze Arbeit Bescheid

So, jetzt wissen also alle in der Arbeit Bescheid. Zumindest alle in der Chefetage. Der Senior wirft mir keine grimmigen Blicke wegen der Beule am Auto mehr zu. Die Seniorin fragt alle paar Tage: “Spürn’s scho wos?” bevor sie mich tadelnd ansieht und fragt, wann ich denn endlich die nächste Rechnung an den Bauherren schreiben werde. Und der Junior hat mir überschwänglich gratuliert und meinte, man sehe ja noch gar nichts. Er kenne sich  aus, schließlich sei er selbst vor nicht allzulanger Zeit Vater geworden (das Kinderzimmer in der Architekturabteilung im 2. Stock, das mit kuscheligen Schaukelschafen und anderen stylischen Kinderprodukten ausgestattet wurde, ist nach Monaten natürlich noch unbenutzt).

In einem Anfall der Backwut habe ich am Sonntag noch für den Rest der Bauleiter-Mannschaft einen “Hallo-Ich bin schwanger”-Kuchen gebacken, der dann ganz offensichtlich und mit Schildchen in der Küche positioniert wurde. Wer es allerdings noch nicht weiß, sind “meine” Bauherren. Auf meiner neuen Baustelle hatte ich vor ein paar Wochen eines der ersten Gespräche mit dem Bauherrenvertreter, nachdem die Baustelle so richtig angefangen hat. Irgendwie kamen wir auf den Vatertag zu sprechen – wahrscheinlich, weil es Probleme mit betrunkenen Väter gegeben hatte, die die Kurve im Radweg nicht mehr geschafft und Bekanntschaft mit unserem Bauzaun geschlossen hatten. Scherzhaft fragte ich ihn, ob er denn auf dem Heimweg noch ganz nüchtern gewesen war und ob er einen schönen Vatertag hatte. Woraufhin die entsprechende Frage kam, wie denn mein Muttertag gewesen sei. “Noch bin ich ja nicht Mutter” sagte ich lachend. Ich hatte das Gefühl, sein Gesicht sei eine Nuance weißer geworden: “So lange Sie unsere Baustelle hier noch zu Ende sehen, ist mir alles egal.” Vielleicht ahnt er es tatsächlich, aber auch seither hat er sich zumindest nichts anmerken lassen.

Und das, obwohl mein Bäuchlein langsam doch sichtbar wird, auch wenn gleichzeitig meine Blusen immer weiter werden und ich meine Jeans gegen schicke Schwangerschaftshosen ausgetauscht habe. Eigentlich bin ich ja eine eingeschworene Rockträgerin. Oder kurze Hosen. Vormittags auf der Baustelle geht das natürlich nicht. Sobald ich aber im Büro angekommen aus dem Auto steige, reiß ich mir die Hosen vom Leib und springe in einen Rock. Was eine Wohltat!

 Quelle: Bilder © Privat

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