Mutter-Kind-Kur an der Nordsee

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Wir sind wieder da! Sehr schön war es und ich kann es jeder Mutter empfehlen! 3 Wochen dauert so eine Kur für gewöhnlich um wirklich vom Alltag abschalten zu können und Kraft zu tanken. Manchmal wird sogar verlängert. Das Ganze sollte man trotzdem nicht mit einem „Urlaub“ verwechseln. Das ist es nicht. Vorab muss ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden und die Kur wird nur bewilligt, wenn diese notwendig ist. Einfacher ist wohl aber der Weg über eine der zahlreichen Beratungsstellen des Müttergenesungswerk (siehe dazu auch den netten Kommentar weiter unten auf dieser Seite). Sei es als Vorsorge oder als Reha. Da gibt es die unterschiedlichsten Diagnosen für Mütter und/ oder deren Kinder wie z.B. psychosomatischen Erkrankungen,  Atemwegs-, Haut- und Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, etc. Eigentlich gibt es für alles eine passende Klinik. Generell gilt: Alleinerziehende oder Frauen mit mehreren Kindern, die ebenso arbeiten gehen, haben sehr gute Chancen auf eine schnelle Bewilligung.

Alle Konstellationen, die man sich so vorstellen kann, waren vertreten: Mütter mit Zwilligen, Mütter mit bis zu 4 Kindern, Alleinerziehende, Schwangere mit bereits mind. einem Kind, etc. Alle aus den unterschiedlichsten Schichten und Orten Deutschlands, alle mit ihrer eigenen Geschichte.

Man sollte also offen sein und keine Vorurteile haben, dann kann man eine gute Zeit verbringen.

Es gab 2 Speisesäle. Die Sitzordnung wurde von der Klinik vorab bestimmt. Festgelegte Essenszeiten. Frühstück von 7- 8:30h, Mittagessen von 11:30- 13:00h und Abendessen von 17:30 – 19h. Alles in Buffetform.

Kinderbetreuung gab es in verschiedenen altersgerechten Gruppen. Auch Schulkinder werden problemlos betreut und erhalten Einzelunterricht. Da Franz bereits seitdem er 11 Monate alt ist in der Kita ist, war die Frembetreuung auch dort kein Problem. Nach dem Frühstück habe ich ihn dort abgegeben, um an meinen „Anwendungen“ teil nehmen zu können. Mir wurde die Kur verschrieben, da ich während der Schwangerschaft bis 15 Wochen nach der Geburt unter häuslicher Gewalt gelitten habe.  Ich habe dort also Einzelgespräche, genau über dieses Thema, geführt. Franz ist mittlerweile etwas über 1,5 Jahre und ich leide immer noch sehr unter den Folgen. Festgestellt wurde, dass ich sicher nicht unter einer Depression, sondern unter einem traumatischen Erlebnis, leide.

Ein Trauma wird durch einen schweren Unfall oder durch jegliche Art von Gewalt erzeugt. Dies betrifft Zeugen und die Opfer selbst. Tatsache ist, dass der Ort und/ oder der Täter gemieden werden soll, um das Ganze zu verarbeiten. Ich lebe in der Wohnung in der alles passiert ist und muss den Täter (den Vater meines Sohnes) 2-3 x wöchentlich, wegen seinem Sorge- und Umgangsrecht, sehen. Betreute Übergaben sind zu teuer und erschweren den Alltag einer Alleinerziehenden noch mehr. Bei Kleinkindern soll wöchentlich häufiger, dafür kürzere Stunden der Umgang stattfinden, etc. Ich habe mittlerweile immer Freunde vor Ort, damit ich mich sicherer fühlen kann. Das Jungendamt meinte erst letzens zu mir, dass es zwar zur Gewalt gekommen ist, man aber dem Herrn „…“ jetzt auch die Chance geben muss, seinen Sohn zu sehen.

Zurück zur Kur. Nach den „Anwendungen“, die nicht nur aus Einzelgesprächen bestanden, sondern auch aus Vorträgen zu allgemeinen Themen, wie z.B. „Stressbewältigung im Alltag mit Kindern“ oder „Veränderung der Paarbeziehung durch Schwangerschaft und Kinder“, Sport, Entspannungstechniken, ect. habe ich Franz von der „Villa Kunterbunt“ abgeholt und es ging zum Mittagsbuffet. Das Essen war immer sehr gut.

Danach Mittagsschlaf und dann „freie“ Zeit, die ich mit Franz am Strand (trotz meist leider schlechtem Wetter) genoßen habe. So ein Strandkorb ist Gold wert. Um 17:30h dann schon wieder Abendessen und Franz geht um 19h ins Bett. Danach sitzt man in seinem Apartment, denkt über den Tag nach, ist müde von der Seeluft, genießt die Ruhe und geht auch früh ins Bett.

Zu erledigen hat man hier nichts. Putzen, einkaufen, kochen, arbeiten, ect. Das gibt es in einer Mutter-Kind-Kur nicht und man kommt wirklich (auch wenn nur für eine gewisse Zeit) mal wieder zu sich selbst.

Ach so und um das Alkohlthema nicht zu vergessen. Es wird geraten während der Kur komplett auf Alkohol zu verzichten. Das habe ich leider nicht. Am Strand gab es eine  gemütliche „beachbar“ und an den wenigen Tagen, in denen auch mal die Sonne raus kam, habe ich mir in der „happy hour“ 1-2 Cocktails bestellt.

14 Gedanken zu “Mutter-Kind-Kur an der Nordsee

  1. Der richtige Weg zur Mutter-Kind-Kurmaßnahme führt idealerweise über eine unserer bundesweit 1.400 Beratungsstellen im Verbund des Müttergenesungswerkes. Wir begleiten die Mütter durch das gesamte Antragsverfahren, bei der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung sowie bei der gezielten Nachsorge im Anschluss an die Maßnahme.
    Unter: http://www.muettergenesungswerk.de, https://www.facebook.com/muettergenesungswerk oder Tel. 030 330029-29 finden die Mütter eine Beratungsstelle in ihrer Nähe. Die Beratung ist kostenlos und bei Bedürftigkeit können wir auch finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Zuzahlungskosten durch Spendenmittel des Müttergenesungswerkes leisten.

    PS: Natürlich könne Sie auch mit einer Spende unsere Arbeit für Mütter unterstützen. Wir würden uns darüber freuen.

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