Herrin meiner Sinne

Veränderungen gehören wohl eindeutig zu einer Schwangerschaft und letzte Woche habe ich ja auch bereits über mein kleines Bäuchlein, das beständig wächst, geschrieben. Seit dem Wochenende sehe ich mich aber mit einer neuen Entwicklung konfrontiert und deren Ausmaß erschreckt mich ein wenig. Ich spreche von meinen Emotionen und deren Achterbahnfahrt – im einen Moment noch Himmel hoch jauchzend und im nächsten schon zu Tode betrübt.

Ich bin ein kleines Brausepulver-Temperament und kann schon mal von jetzt auf gleich sehr aufbrausend werden, aber was sich seit diesem Wochenende hier entwickelt hat, ist für mich echt komplett ungewohntes Gebiet. Es passierte am Samstagmorgen gleich nach dem Aufwachen, denn zum Aufstehen kam ich gar nicht erst. Ich lag im Bett und fühlte mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Gedanke daran aufzustehen und den Tag zu beginnen erschien mir absolut nicht zu meistern und so blieb ich einfach liegen. Tom meinte, dass ich mich ruhig noch etwas ausruhen sollte, er würde mit dem Hund zum Bäcker gehen und danach könnten wir gemeinsam frühstücken. Ich zog mir die Decke über den Kopf, hörte die Tür ins Schloss fallen und schon schossen mir die Tränen in die Augen – einfach so, ohne ersichtlichen Grund. So lag ich also in unserem Bett und konnte nicht mehr aufhören in mein Kissen zu weinen. Es fühlte sich alles irgendwie so aussichtslos an, so unstemmbar und verzweifelt. Ich konnte das nicht verstehen, denn ich freue mich auf mein Baby, bin glücklich in der Beziehung mit Tom und kann unsere Zeit zu dritt kaum erwarten. An diesem Morgen konnte ich diese plötzliche und unerklärliche Traurigkeit nicht fassen.

Als Tom vom Bäcker zurückkam, sprang unser Hund wie immer freudig zu mir ins Bett und stupste mich mit der Nase. Normalerweise entlockt mir das immer ein Lachen, aber diesmal konnte ich ihm nur halbherzig über den Kopf streicheln und blieb ansonsten liegen. Mein Mann war total überrumpelt, als er mir lachend die Decke wegzog und mein verheultes Gesicht zum Vorschein kam. Er war sofort besorgt und wollte wissen, was los ist. Ich konnte aber nur mit den Schultern zuckte und schon kam die nächste Tränenwelle über mich, die mich abermals losweinen ließ. Es war deutlich zu merken, dass Tom mit dieser Situation überfordert war und nicht recht wusste, was er tun sollte. Wer konnte es ihm auch verdenken? Da freut mich sich auf ein schönes Samstagsfrühstück und ein tolles Wochenende mit der schwangeren Frau und dann sitzt die plötzlich heulend im Bett und weiß selbst nicht mal warum. Ganz ehrlich: Ich hätte in diesem Moment echt gerne ein Glas Sekt zum Frühstück gehabt um mich etwas zu fangen. Aber selbst in dieser Situation war wohl noch ein Rest Vernunft übrig, der mich davon abhielt. Stattdessen zauberte Tom in seiner Verzweiflung Frühstück im Bett, schloss den TV im Schlafzimmer an und kuschelte sich zu mir um mich aufzuheitern.  Ich würde jetzt auch gerne schreiben, dass diese süße Geste ihr Ziel nicht verfehlt hat und es mir damit schnell besser ging, aber so war es leider nicht. Die Traurigkeit und das Gefühl der Aussichtslosigkeit blieben wie schwere Steine auf meiner Brust liegen und ließen immer wieder Tränen nach oben steigen. Daran änderte sich das Wochenende über nichts – ich blieb im Bett, schleppte mich höchstens auf den Balkon, um Toms Bitte gerecht zu werden und zumindest ein bisschen Sonnen zu tanken. Erst heute Mittag begann ich mich besser zu fühlen und die Traurigkeit ließ mich Stück für Stück wieder alleine. Ich habe sehr lange mit meiner Frauenärztin telefoniert und sie konnte mich etwas beruhigen und aufbauen. Vermutlich werden solche Tage der Traurigkeit und Sorgen auf Grund von Hormonumstellungen noch öfter kommen, sind aber wohl nichts Ungewöhnliches und müssen irgendwie durchlebt werden.

Sie gab mir den Tipp, ich solle dann tun, was mir gut tut und mir keine Sorgen um mein Umfeld machen – mal sehen wie dieses dann auf solche Tage reagieren wird.

Bild: Creativ Commons

 

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