Io sono Ronja

Freizeit ist doch die schönste Zeit und die, die man genießen sollte. Im Moment weiß ich aber gar nicht so wirklich, ob diese Zeit die schönste und genussvollste sein kann, wenn sie so lange andauern soll, wie es nun bei mir der Fall ist. Nachdem ich meinen Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert hatte und ab sofort bis zum Erhalt der Ergebnisse freigestellt wurde, war ich beim Betriebsarzt um die nötigen Titer bestimmen zu lassen. Vor 4 Tagen war es dann soweit und der gefürchtete Anruf vom Betriebsarzt erreichte und erwischte mich kalt: Keine Titer auf Cytomegalie und Ringelröteln – sofortiges Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft.

Nachdem ich aufgelegt hatte kamen sofort die Tränen und so saß ich heulend wie ein Schlosshund in meiner Küche. Der Betriebsarzt würde meine Ergebnisse an meinen Arbeitgeber weitergeben und ein Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft empfehlen und daraufhin würde dieser ein offizielles Verbot aussprechen. Ich würde also ab morgen nicht mehr zur Arbeit gehen und stattdessen zuhause bleiben. Komisch, normalerweise wünscht man sich doch hin und wieder Ruhe und Zeit für sich, aber dieses ‚Urteil‘ fühlte sich dennoch sehr ungut an.

Als ich mich etwas beruhigt hatte, wählte ich die Nummer meiner Arbeitsstelle, um diese über die Neuigkeiten zu unterrichten und muss nicht erwähnen, dass ich dabei wieder in Tränen ausbrach. Anschließend rief ich Tom an und schluchzte auch dort mein Schicksal ins Telefon. Aber auch jetzt machte mir das Gespräch mit meiner besseren Hälfte wieder klar, dass es um die Gesundheit und den Schutz unseres Kindes ging und das ließ die Trauer über das plötzliche Ausscheiden aus dem Beruf erheblich kleiner werden.

Gestern hat mich Tom zu meinem Lieblingsitaliener eingeladen, um mich aufzumuntern und mal wieder so richtig zu schlemmen. Schon den ganzen Tag freute ich mich auf den Abend und meine geliebte Pasta. Ich mag das Lokal aber nicht nur, weil das Essen einfach fantastisch ist, sondern auch das Ambiente und das Servicepersonal einfach ein Traum sind. Als der Kellner unsere Bestellung aufnahm, bestellte ich verantwortungsbewusst ein großes Wasser, weswegen mich der Kellner amüsiert ansah (normalerweise liebe ich den Chianti dort und trinke mindestens zwei Gläser pro Besuch) und dann augenzwinkernd meinte: „Da ist heute wohl jemand mit Fahren dran.“ Tom prustete in die Speisekarte, auch ich lachte während ich schnell nickte und sich darauf der Kellner etwas irritiert verzog. Der Witz an der ganzen Sache ist nämlich, dass ich gar keinen Führerschein besitze und somit nie mit Fahren dran sein kann. Wir genossen den Abend mit leckerem Essen, angeregten Gesprächen und kleinen Träumereien über unsere Zukunft mit unserem kleinen Schatz, als Tom urplötzlich sagte: „Warum lernst du nicht Italienisch? Du liebst doch Italien und hast nun soviel Zeit, dass das doch perfekt wäre.“ Etwas überrumpelt dachte ich einen Moment lang über seine Worte nach. Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht wäre das der Anfang eines sinnvollen Zeitvertreibs während meiner Schwangerschaft und sich weiterbilden schadet nie. Also hob ich schließlich mein Wasserglas und prostete meinem Schatz zu „Auf eine neue Sprache und den Grund für den nächsten Sommerurlaub!“

Dann werd ich morgen mal nachsehen, was die VHS so zu bieten hat – ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

arrivederci a presto 😉

Bild © privat

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