Ein Glück, dass ich Biertrinkerin bin

Ein Glück, dass ich Biertrinkerin bin. Klar, es darf gerne auch mal ein Glas Wein, daheim ein guter, starker Cocktail oder nach dem Essen oder aufm Berg ein Stamperl Klarer sein. Aber mit Freunden im Biergarten an der Isar oder auf Party bin ich froh, wenn ich eine Flasche August oder ein perfekt eingeschenktes Weißbier in der Hand halte.

Ein Glück ist das jetzt, weil ich am Wochenende auf der WG-Feier einer Freundin eingeladen war. Die Mannschaft trinkt mit Begeisterung irgendwelche Fusel bei ausgelassenen Trinkspielen mit umfunktionierten Kinderspielzeugen wie Looping Louie. Da wird rausgeholt, was das Regal an gesammelten Norgerln und mehr oder weniger geliebten Spirituosen hergibt. Bei der passenden Stimmung ist ein Gläschen von dem ein oder anderem bestimmt eine Wonne, aber dem Runterkippen von Alkohol nur um ausgelassen zu werden, kann ich – zum Glück – schon seit irgendwann in meinen Unizeiten nichts mehr abgewinnen. Wenn ich also zwar beim Looping Louie mit einsteige, aber mit Wink zu meinem August vehement die bunte Stamperlmischung vor mir verweigere, gibt das zwar ein wenig Augenrollen, aber keine größeren Überredungsversuche.

Aber Stop! “Mit Wink zu meinem August?” Ich dachte du bist schwanger!? Genau. Und hier kommt das “zum Glück bin ich Biertrinkerin” wieder ins Spiel. In so einer Bierflasche lässt sich nämlich ganz prima ein Schlückchen Wasser verstecken!

Mein Abend sah also so aus: Ich kam mit großem Hallo! an und bekam ziemlich schnell ein Begrüßungsbier in die Hand gedrückt. Plopp! flogen die Kronkorken und wir stießen alle in der Runde lautstark fröhlich an. Dann stürzte ich mich in die schon gut gefüllt WG, ratschte hier und dort ein wenig und ging erst einmal aufs Klo. Hier sagte das schöne Bier ‘pfia di’ und wurde sogleich mit bestem Münchner Leitungswasser ersetzt. Weil die Flasche ja braun ist, sieht man höchstens, dass was drin ist, aber nicht, ob jetzt süffiges Helles oder klares Wasser. Und bei Bedarf wird einfach wieder nachgefüllt.

Wie ich das so schreibe, habe ich das Gefühl, das könnte auch die Geschichte einer Magersüchtigen sein, die ihr Geheimnis vor aller Freunde Nase mit sich trägt. Das stimmt mich nachdenklich: Wie oft hat mir schon jemand das Biertrinkerspielchen vorgeführt ohne, dass ich etwas gemerkt hätte? Ich vermute – falls überhaupt – nicht sehr oft. Und doch überlege ich mir, ob ich in den nächsten Wochen solche Runden eher meiden soll. Aber mich von meinen Freunden zurückziehen, nur weil ich ihnen noch nicht sagen will, dass ich schwanger bin? Das kommt nicht in Frage! Ihnen noch öfters etwas vorzuspielen ist aber auch nicht ideal.

Andererseits genieße ich die Zeit, in der nur wird beide von dem kleinen Wesen wissen. Ich habe das Gefühl, sobald ich ich “offiziell” schwanger bin, ändert sich irgendwas. Fragen stürzen auf mich ein und Gespräche drehen sich immer mehr um das eine Thema. Die Zeit kommt schnell genug. Im Moment sind es einfach nur wir drei, die kleine Familie in spe.

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