Trauern

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Es ist was ganz furchtbares passiert. Dem kleinen nicht, der ist munter. Aber er wird nun keinen seiner Großväter kennenlernen. Mein Schwiegervater ist vor sieben Tagen verstorben. Gestern war die Beerdigung. Die Chemotherapie lief noch, aber er hat sie nicht vertragen. Sein Kreislauf ist zusammengebrochen und dann ging alles sehr schnell. Es ist so tragisch, dass nun mein Mann das Gleiche durchmachen muss wie ich damals. Gerade jetzt, wo er doch selber Vater wird. Seine Mutter ist natürlich völlig fertig und kann sich auf gar nichts freuen – auch nicht auf ihren Enkel. Seit gestern hat der Kleine einen Namen: Er wird nach seinem Großvater heißen. Nicht Erich, sondern nach seinem zweiten Vornamen August. Ich wurde gestern von einem Verwandten gefragt, ob wir denn schon einen Namen hätten, und dann war es mir auf einmal ganz klar. Mein Mann ist der gleichen Ansicht.

Ich hoffe, der Kleine wird sich nicht zu sehr von der traurigen Stimmung um ihn herum beeinflussen lassen. So lernt er jetzt schonmal das wahre Leben kennen. Leider gehört Tod dazu. Und leider können wir Menschen, zumindest in unserer Kultur, so schwierig damit umgehen. Das sollte sich ändern. Abschiede sind traurig, aber wenn wir einen stärkeren Glauben an ein Leben danach hätten beispielsweise, dann wäre es vielleicht nicht so wahnsinnig schwer. Ich weiß es nicht. Ich bin von dem Kapitel wie gesagt nicht verschont geblieben, und doch bin ich genauso ratlos wie die, denen es noch nicht passiert ist, einen geliebten Menschen zu verlieren.

Quelle: Foto von Sascha Kohlmann CC BY 2.0

7 Gedanken zu “Trauern

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