Gut vorbereitet?

Es sind jetzt noch sieben Wochen bis zum E.T. und wir sind im Vorbereitungswahn. Nachdem ich vor etwa drei Wochen einen kurzen Panikanfall hatte, weil wir noch NICHTS organisiert haben, habe ich meinen Mann angesteckt und dann war er total fixiert darauf, dass wir „fertig“ werden müssen. Bis zu dem Zeitpunkt war das Motto: bloß kein Stress und nicht übertreiben, Kinder brauchen ja gar nicht viel. Haha.

Wenn man aber einmal anfängt zu organisieren, dann fallen einem immer mehr Sachen ein oder auf, die ein Baby brauchen könnte. Wir haben Checklisten online gesucht, wir haben Freunde gefragt, wir haben Zeug geschenkt bekommen, bei Kleinanzeigen abgeholt und einige wenige Sachen neu gekauft. Wir haben aussortiert, Zimmer umgeräumt, Möbel geschraubt, und nach drei Jahren: den Keller entrümpelt!
Jetzt ist die halbe Hütte voller Kinderkram und wir fragen uns, ob wir das alles wirklich gebraucht haben ;D

Spaß beiseite: es fühlt sich tatsächlich gut an.
Sogar alle Babyklamotten sind frisch gewaschen (natürlich mit dem schonendsten, zusatzfreisten Waschmittel das zu finden war) und liegen gefaltet im neu freigemachten Schrank. Wie so oft im Leben ist es wahrscheinlich so, dass man so eine Vorbereitungsphase braucht, um sich selbst auf die Situation einzustellen, und ein bisschen das Gefühl zu bekommen, man hätte alles im Griff. Also kathartische Vorbereitung quasi. Ich habe jetzt auch viel mehr das Gefühl, das Baby kann dann kommen weil wir uns schon wortwörtlich darauf eingerichtet haben.

So ähnlich ist es auch mit dem Geburtsvorbereitungskurs.
Es gibt ja Leute, die meinen, man braucht keinen, weil es eh kommt wie es kommt. Dann gibt es Leute, die FREUEN sich auf so einen Kurs, weil sie sich dann endlich intensiv mit ihrer Schwangerschaft und der Geburt befassen können. Wieder mal bin ich keinem der zwei Lager zuzuordnen.
Ich habe mich für einen Kurs angemeldet, weil möglichst viel Informationen zu erhalten mich in der Regel beruhigt und das daher meine Herangehensweise an ein „Problem“ oder eine Herausforderung ist. Ich war daher kurzzeitig verstört, als einige der anderen Teilnehmerinnen bei der Übung „Becken kreisen“ mit entrücktem Blick in ekstatisches Tanzen ausbrachen. Die Hebamme nutzte den Moment um zu bemerken, dass jede Frau die Stärke in sich trüge um zu gebären. Da wurde mir dann auch klar, warum einige Leute lieber nicht an so einem Kurs teilnehmen möchten.

Insgesamt war es aber schon sinnvoll hinzugehen. Die meisten Muttis sind echt nett, und die Hebamme sehr lieb und kompetent. Was genervt hat, war das alles episch lange ausdiskutiert werden musste … das war mir nicht zielorientiert genug. Und manche der Mamas hatten krasse Helikopter-Detailfragen, bei denen man sie schütteln und anschreien wollte:“Dein Kind wird überleben!“
Am Partnertag war mein Mann mit im Kurs. Auch wenn ich mich zwischendurch schon gefragt habe, wie wir denn in diese Situation geraten sind, fand er es wohl bei weitem nicht so schlimm wie er es sich vorgestellt hatte. Andere Männer hatten ihm erzählt, man könne bei der Atemtechnik viel falsch machen – manche von Ihnen wurden deswegen wohl sogar von ihren mißgelaunten Schwangeren angeschrien. Wir haben zwar Geburtspositionen üben müssen, was eher für mich merkwürdig war, aber wenigstens musste keiner hecheln.

Insgesamt fühle ich mich jetzt besser auf die Geburt und das Baby vorbereitet. – Was ja wahrscheinlich der Sinn eines Geburtsvorbereitungskurses ist. Die Hebamme hat gute Tipps gegeben, was man während den Wehen machen kann, um es sich ein bisschen leichter zu machen/die Geburt zu beschleunigen. Keine Ahnung, ob ich das dann so umsetzen kann, aber erstmal gibt es mir ein bisschen mehr Sicherheit. 

Zudem gab es jetzt schon zwei Babies der anderen Kursteilnehmerinnen, die auf einmal geboren wurden. Irgendwie ist es auch schön, zu wissen, dass man eine von vielen ist, und das auch irgendwie schaffen wird, wenn es soweit ist. Ich freue mich jedenfalls jetzt darauf, dass bei zwölf Frauen aus dem Kurs ein Babyfoto nach dem anderen in der Whattsapp Gruppe auftauchen wird. Leider bin ich eine der letzten nach E.T. und werde daher bestimmt ungeduldig werden.
Aber erstens ist man das wahrscheinlich sowieso immer, und zweitens können wir uns jetzt noch ein bisschen zurücklehnen und uns denken: „Mann, sind wir gut vorbereitet!“
– Zumindest bis der unkalkulierbare Faktor Baby dazukommt ;D

 

Quelle: Bild © pixabay

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