Nüchternes Feuerwerk

Das erste Sylvester mit Baby war schöner als erwartet. Dazu muss man sagen, dass ich auf Sylvester feiern nicht sooooo viel Wert lege. In der Regel sind die Erwartungen übersteigert, und der Abend enttäuscht eher. Die Clubs sind überfüllt, die Restaurants überteuert und die ganze Stadt betrunken. Selten hatte ich so schlechte Party-Abende wie an Sylvester.

Dazu kommt dass man irgendwie immer billigen Sekt trinken soll und sagen was man sich für s neue Jahr vorgenommen hat. Am besten geht noch bei Freunden daheim feiern, aber auch da bleibt einem die ewig lange Heimfahrt in der U-Bahn mit lauter Betrunkenen nicht erspart. Ein Taxi zu kriegen ist bis fünf Uhr ja ohnehin so gut wie unmöglich.
Und es ist kalt. So kalt. Und oft schneit es. Das Wetter, das man sich an Weihnachten wünschen würde, findet meist an Sylvester statt, wenn von einem erwartet wird dass man eine Stunde Asti-trinkend begeistert Feuerwerk schaut. Ihr merkt, ich kann dem ganzen nicht so viel abgewinnen. 😂
Irgendwas muss man aber machen um das Jahr zu beenden, also finde ich mich doch jedes Mal frierend an eine Sektflasche geklammert wieder, während über meinem Kopf die Raketen vorbeizischen. (Ja, ich fürchte mich vor Feuerwerk, vielleicht auch ein Grund warum mir das ganze nicht so zusagt.) Das beste an der Veranstaltung ist in der Regel der Kuss von meinem Liebsten um zwölf, der meist aber recht kurz ausfällt, weil er ja unbedingt noch ganz viele Böller schmeißen muss.

Dieses Jahr war es aber ganz anders. Zum ersten Mal war es sozial akzeptiert nirgendwo hinzugehen. Zwischendurch war ich dann doch ein bisschen neidisch auf meine Freunde, die alle große Pläne schmiedeten, bis mir wieder einfiel, warum ich Sylvester nicht besonders mag. Kurz sah es so aus als ob ich und die Kleine 12 Uhr sogar verschlafen würden. Da war ich mir selbst nicht sicher ob mir das nicht doch zu unspektakulär wäre.

Am Ende war es aber sowieso zu laut und wir sind aufgestanden.
Wir haben uns zu dritt ans große Fenster im Wohnzimmer gestellt und das Feuerwerk genossen, die Kleine fand es super. Mein Mann hat ein Glas Whiskey getrunken, ich einen alkoholfreien Rosé auf Eis, die Kleine Milch 😉
Wir haben den Nachbarn draußen beim frieren zugesehen und uns gefreut dass wir drin im Warmen sind und mit unserem Baby gekuschelt. Und dann hat es sich genauso wie sonst immer eingestellt, das leicht feierliche Gefühl dass ein neues Jahr beginnt, und das alte endet. Und dass wir es dieses Mal gar nicht so schlecht gemanaged haben. Zu dritt. Alles in einem war es das schönste Sylvester seit langem für mich, und wir sind um kurz nach eins wieder zufrieden eingeschlafen.

Quelle: Bild © pixabay

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