Viele Überraschungen auf einmal

So – ich wollte ja erzählen, wie ich rausgefunden habe, dass ich schwanger bin. Alles ging zwei Tage vor Weihnachten letzen Jahres los. Als ich gerade nach 6 Monaten durcharbeiten in meinen echt verdienten Urlaub starten wollte, wurde ich ins Zimmer vom Geschäftsführer gerufen. Dann kam die Hammer-Ansage nach drei Jahren in der Firma: wir müssen dich leider aus betrieblichen Gründen kündigen. 

Mir war sofort klar, dass das nicht mit rechten Dingen zuging. Ich hatte monatelang keinen Urlaub nehmen dürfen, war für meinen Job mehr als qualifiziert und diejenige mit den meisten Überstunden im Team. Als mir dann von selbst eine Abfindung angeboten wurde, und die Geschäftsführerin auch auf Aufforderung hin nicht an dem Gespräch teilnehmen wollte, war mir klar: irgendwas ist faul an der Geschichte. Sie hatte die Kündigung auch nicht unterschrieben, bloß der Geschäftsführer. Außerdem versuchte der mir weiszumachen, dass ich 6 Wochen Zeit hätte, gegen diese Kündigung einzusprechen. Nach zwei Minuten googeln wusste ich: es sind drei Wochen und der Zeitpunkt kurz vor den Feiertagen war bewusst gewählt.

Was mich gleich getröstet hat: mir war sofort klar, dass es nicht an meiner Leistung lag, es musste irgendwas anderes sein. Meine Kollegen waren auch fassungslos. Was mich mit am meisten traf war, dass ich eigentlich seit einem Jahr das Gefühl hatte, eigentlich den Job wechseln zu wollen, ich aber aufgrund unseres Kinderwunsches dann doch geblieben bin. Wer will schon neu in einer Firma anfangen und dann nach fünf Monaten schwanger sein? Sollte das alles umsonst gewesen sein?

Am nächsten Tag machte ich mich sofort auf Jobsuche und hatte Glück, eine gute Anwältin zu finden, die sogar zwischen den Feiertagen Zeit für mich hatte. Auch sie meinte gleich: man hätte etliche Leute vor mir kündigen müssen, die betriebliche Kündigung sei nicht haltbar. Ich entschied mich, trotzdem zu gehen, aber eine höhere Abfindung zu fordern.

Der Arbeitgeber reagierte nicht wirklich. Wahrscheinlich warteten sie darauf, ob ich wirklich klagen würde, oder vielleicht die Frist verpasste. Ich glaube das war die anstrengendsten zehn Tage meines Lebens. Abwechselnd suchte ich fieberhaft nach Jobs und kommunizierte mit der Anwältin. Ich fühlte mich ausgelaugt und konnte aber kaum schlafen vor Aufregung. Mein Mann war noch aufgebrachter als ich und die ganze Zeit über meine größte Stütze.
Über Sylvester fuhren wir mit Freunden ein paar Tage auf eine Hütte und ich konnte endlich ein bisschen entspannen. Ich war todmüde. 

Auch wegen der rechtlichen Situation bestand mein Mann darauf, dass ich sofort am ersten möglichen Tag in diesem Monat einen Schwangerschaftstest machen sollte. Nachdem wir es seit sechs Monaten versuchten, und ich jeden Monat beim negativen Ergebnis enttäuschter war, hatte ich keine große Lust dazu. Andererseits hatte ich so ein Gefühl … Müdigkeit, Kopfschmerzen, ziepen im Bauch.
Und der Test: tatsächlich diesmal positiv. Schwanger 2-3 Wochen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, ich blieb eine Minute lang auf der Kloschüssel sitzen und starrte den Test an. Dann ging ich in die Küche, wo grade meine Schwägerin, ihr Freund und mein Mann unsere Sachen packten. Ich realisierte, dass wir eigentlich gerade am abreisen waren. Ich schaute meinen Mann an und brachte nichts anderes raus als: „Kommst du mal bitte?“.

Ich zog ihn ins Bad und hielt ihm den Test unter die Nase. Er nur so: „Ne jetzt, oder?“
Wir haben uns dann wie blöd gefreut in diesem Bad in Österreich und hatten beide ein bisschen Pipi in den Augen. Dann mussten wir entscheiden, ob wir jetzt dichthalten oder nicht. Aufgrund der Kündigungssituation, in der wir dann doppelt hätten lügen müssen, entschieden wir uns für erzählen. 

Unsere Freunde waren auch völlig von den Socken und haben sich alle total mitgefreut. Die zweite Reaktion bei den meisten war dann: „Da hat dein Arbeitgeber wohl Pech gehabt.“ Bei genauem nachrechnen ergab sich: der Tag der Zeugung lag entweder 2 oder 4 Tage vor der Kündigung.

Quelle: Bild © Privat

 

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