Codewort: Eigenbedarf

Lange war es hier nun still um mich, meinen Bauchzwerg und Tom. Aber eben auch nur hier. Außerhalb des Internets wissen wir nämlich an manchen Tagen gerade nicht mehr, wo uns der Kopf steht oder wie wir heißen. Mitte Juni erreichte uns eine Hiobsbotschaft unseres Vermieters und damit begann unser Problem und unsere Sorgerei. Unser Vermieter kündigte aus heiterem Himmel Eigenbedarf an.

Ich konnte es nicht glauben, als ich den Brief aus dem Briefkasten fischte und las. Mir wurde heiß und kalt zugleich und anschließend kamen die Tränen. Unser Vermieter kündigte uns die Wohnung auf Grund Eigenbedarfs. Dabei hatten wir doch das Kinderzimmer schon gestrichen, alle Möbel aufgebaut und es komplett eingerichtet. Und nun? Nun sollten wir noch auf Zeit hier bleiben dürfen.  Tom und ich haben nach der Kündigung viel diskutiert, denn es stellte sich die Frage, ob wir versuchen sollten schnell und noch während meiner Schwangerschaft umzuziehen, oder es schlauer wäre die Frist abwarten, das Kind zu bekommen und dann einen Umzug zu meistern. Irgendwann wurden wir uns einig, dass wir es beide für vernünftiger hielten noch in der Schwangerschaft umzuziehen. Doch eine Wohnung ließ sich nach diesem Entschluss leider nicht aus dem Hut zaubern und so begannen wir wie die Weltmeister die gängigen Seiten zu durchforsten. Kriterien gab es natürlich auch, so mussten wir im Einzugsgebiet meiner Hebamme eine Wohnung finden, denn diese wollte ich auf keinen Fall wieder hergeben, geschweige denn mir nun nochmal eine neue Hebamme suchen. Auch von meinen Eltern wollten wir nicht allzu weit wegwohnen, denn schließlich wollten wir durch diese auch etwas abgesichert sein. Eine gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten (Ja, da fehlt er wieder der Führerschein), Ärzten und Kindertagesstätten wünschten wir uns natürlich auch. Ich glaube, es wundert niemanden, wenn ich jetzt sage, dass uns nach ca einer Woche viiiiiele graue Haare vor Sorge gewachsen waren. Nicht nur einmal wünschte ich mir in dieser Zeit einen Schnaps.  Sogar mein Mäuschen im Bauch schien sich mit zu sorgen und bewegte sich ganz unruhig, wenn Tom und ich vor den Wohnungsanzeigen saßen und uns über unsere Situation den Kopf zerbrachen.

Dabei freue ich mich immer so sehr, wenn ich sie spüre. Sie ist eine richtig Wilde und rumpelt oft ganz schön heftig durch meinen Bauch, wobei mir meist die Luft wegbleibt und ich gleichzeitig aber herzlich darüber lachen muss. Seit sie sich bewegt, ist mir richtig klar geworden, was dort in meinem Bauch passiert. Natürlich weiß ich es theoretisch, ich habe die Ultraschallbilder gesehen, fein säuberlich laminiert und ins Album geklebt und klar wächst mein Bauch (ich bin ein Kürbis), aber diese Bewegungen machen dieses Wunder….spürbar.

Zum Glück kam es bei uns in dieser Situation mal wieder anders als man denkt. Denn als wir zwei Wochen später mit Freunden zusammensaßen und leise unser Leid klagten, zückte einer unserer Bekannten sogleich sein Handy und tippte hastig darauf herum. Dann verließ er kurz den Raum um zu telefonieren. Wir witzelten noch, ob ihm eingefallen wäre, dass er die Herdplatte zuhause angelassen hätte, als er freudestrahlend zurückkam: ‚Habt ihr morgen Zeit?‘. Er erzählte uns, dass er und seine Frau gestern ihre Wohnung gekündigt hätten, weil sie ein Haus geerbt hätten und so ihre Wohnung frei würde. Morgen könnten wir uns die Wohnung ansehen und den Vermieter auch gleich kennenlernen, der wohnt nämlich im Erdgeschoß. Etwas überrumpelt machten wir einen Termin für den nächsten Tag aus und fuhren an diesem Abend mit sehr gemischten Gefühlen nach Hause.

Das Ende vom Lied ist nun: Die Wohnung ist ein Traum, der Vermieter ein Herz von einem Menschen und wir grade dabei uns langsam vom Umzugsstress zu erholen. Mit viel Hilfe unserer Familien und Freunde haben wir es doch tatsächlich geschafft vor der Geburt unseres Mäuschens noch einen kompletten Umzug über die Bühne zu bekommen. Jetzt sitzen wir, in unserer neuen Wohnung, ignorieren die einzelnen Kisten, die noch herumstehen, haben das Kinderzimmer schon fertig (jetzt wussten wir auch, dass es ein Mädchen wird und konnten einen Hauch Prinzessin versprühen) und können das was in den letzten Wochen alles passiert ist noch gar nicht fassen.

Ich hoffe, ihr seht mir nach dieser Geschichte nach, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Jetzt glätten sich die Wogen wieder etwas und ich kehre zurück, um euch wieder mehr an meinem persönlichen Chaos teilhaben zu lassen. Nächste Woche kommt mein Post aus dem schönen Skandinavien, denn dorthin fahren wir übermorgen in den wohlverdienten Urlaub.

Foto: Privat

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