Introduction

(Alb-)Traum Geburt? So kommt „Mann“ an seine Grenzen! (Teil 1)

(Alb-)Traum Geburt? So kommt „Mann“ an seine Grenzen! (Teil 1)

Hi. Ich bin Max. Der Mann von Sunny. Ich erzähle euch heute mal die Geburt unserer Tochter aus meiner Sicht. Viel Spaß beim Lesen.

Wie geht’s „Mann“ denn eigentlich?

Da stehe ich also. „Ich soll bitte kurz warten!“ Kurz? Was ist denn eigentlich kurz, wenn die Geburt fast schon 18 Stunden dauert. Und sind 18 Stunden normal? „Kann durchaus auch mal länger dauern!“, wurde mir öfter mal ins Ohr geflüstert. Und, dass ein Kind bekommen, nicht immer total romantisch ist, ist doch auch klar, oder!? 

„Ziehen Sie bitte doch schon mal ihre OP-Kleidung an. Hier gehts rein, hier gibt es alle Größen.“

Welche Größe hab ich eigentlich? Hier gibts kein M oder L. Zumindest find ich erstmal gar nichts und probiere mich so durch. Ist ja fast wie bei H&M, dachte ich. „Sind sie schon soweit?“ werde ich gefragt. Äh nein, ich brauch ja noch Schuhe und eine Haube. OK, gefunden, passt! Dann schnell raus aus der Umkleide. „Bitte hier warten, wir rufen Sie, wenn wir so weit sind!“ Drei Mitarbeiter laufen vorbei. Zwei davon sind Schwestern und deutlich jünger, die andere scheint wohl eine Oberärztin zu sein. „Hallo, wie gehts“ rufen sie mir im vorbeigehen zu. Ja, Hallo! Danke. Geht so.

Geht so? Es geht mir beschissen! Ich bin total nervös und aufgeregt. Am ganzen Körper spüre ich dieses Kribbeln.

Kaiserschnitt – die Pforte zur Welt!

Das letzte Mal war’s in der Schule so. Ausfragen Physik! Scheiße. Setzen, 6. Doch dieses Mal ist es Ernst. Denn was bedeutet schon die Note 6, wenn die Frau bereits im OP-Saal liegt und auf einen Kaiserschnitt vorbereitet wird. Ich bin auch ein Kaiserschnitt Baby und wie man 44 Jahre später sehen kann ist doch alles gut geworden, oder? Klar, Kaiserschnitt geht schnell, haben sie gesagt. Es hilft nichts. Ich rufe meine Schwiegermutter an. Zweimal Klingeln und sie geht glücklicherweise sofort ran. „Wir haben uns schon Sorgen gemacht“, sagt sie. „Maria, es wird ein Kaiserschnitt“! Dann muss ich auflegen, die Schwester ruft, ich kann hereinkommen. Schwierig zu beschreiben. Operiert bin ich ja auch schon ein paar mal. Reingeschoben, aufgeschnitten, genäht, aufgewacht, fertig. Aber diesmal ist es wirklich anders. Dieses helle Licht, überall Menschen im Kittel. Viel Blau und Grün im Raum. Geräte, die piepsen und blinken. Es fühlt sich so an, als würde ich bei jedem Schritt ein wenig in den Boden sinken. Weich wie Moos, ein Waldboden, durchfeuchtet vom letzten Regen. Aber weich ist nicht der Boden, sondern die Knie. Es ist ein Gefühl, als zieht mich eine unsichtbare Kraft durch den Raum, zieht mich hinter zu Sunny, die da liegt, festgeschnallt am Tisch.

Aber die Angst bleibt.

„Setzen Sie sich zu ihr!“, fordert mich die Anästhesistin auf. Ich setze mich. Atmen…Atmen…Atmen. Vielleicht muss ich ein knappes Jahr zurückspringen. Es war das erste Kind. Es war eine Fehlgeburt. Es ist immer noch diese Trauer. Ganz tief drin. Wir haben viel geweint. Der Schmerz lässt irgendwann nach, zum Glück hat es ja gleich wieder geklappt. Aber die Angst bleibt. Denn irgendwie geht es ja um Leben und Tod. Auch wenn die Klinik schon tausende dieser Operationen gemacht hat. Die Erklärung, dass es eben um Leben und Tod geht, wird mir erst später bewusst. Jetzt gehts erstmal um den Eingriff. Wir halten uns fest. Oder besser gesagt, ich halte mich an meiner Frau fest. Sie ist ja an den OP Tisch gefesselt. Wir atmen zusammen ein. Wir atmen zusammen aus. Alles, was wir im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten, trifft anders ein. Plötzlich dieses Geräusch, als würde jemand an etwas reißen. „Es könnte jetzt kurz ruckeln, nicht erschrecken“, höre ich eine Stimme sagen. Irgendein Gerät piepst hinter mir. Es ist kaum Platz. Da stehen noch drei andere Mitarbeiter hinter mir. Dann gibt es wirklich ein Ruckeln. Der ganze Tisch bewegt sich, jemand greift in einen Fleischtopf. Entschuldigung, aber es hörte sich wirklich so an. Ein anderer jemand saugt das Blut ab.

Happy Birthday!!!

Plötzlich ein Schrei aus voller Kraft! Ein Schrei, der sagt: „Warum holt ihr mich hier raus!“, wütend und laut. Für uns aber war es einfach nur unglaublich. Der erste Schrei, so herzzerreißend, so intensiv, so schön! Dann kommt die Hebamme hinter dem OP-Tuch mit unserem Kind hervor. Wie im Zirkus. Vorhang auf! „Hier ist ihr Kind! Wie süß! Alle freuen sich mit uns. Wirklich jeder. Vorne, hinten, seitlich und am Ende des Raumes. Happy Birthday!“ . Genau, Happy Birthday! Wie geil ist das denn! Sie ist da und jemand ruft „Happy Birthday!. Noch nie hatte dieser Glückwunsch so eine Wucht in den Worten. Es ist der einzig wahre Zeitpunkt dafür. Es gibt eigentlich nur diesen einen Moment im Leben an dem Happy Birthday wirklich passt. Später sind es ja nur Jahreszahlen, die wir abfeiern. 

Etwas angeschmiert ist sie, ein wenig erschrocken von der Geburt, aber es ist so schön und ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Es ging alles so schnell. Im Nebenraum wird gewogen, gemessen, der APGAR bestimmt. Alles passt zum Glück. „Ach hier ist übrigens die Plazenta!“, schreit die Hebammen Studentin zu mir rüber. Ah, okay, Danke. Schaut gar nicht aus wie ein Kuchen. Kurz abchecken, abhaken und mit dem Baby rüber zu meiner Frau. Denn die ist schließlich immer noch im OP und wird zugenäht. Da gehe ich nun, mit den Knien aus Moos zu ihr. Die Natur macht es schon richtig so. Denn als ich ihr das Kind in die Arme gebe, spricht sie in ihrer sanftesten Stimme. „Da bist Du ja endlich meine Mäusezahn, so lange gewartet haben wir auf Dich!“ 

Ich bin verliebt!

Eine Mama ist einfach eine Mama. Da kann der Papa erstmal nicht mithalten und das ist auch gut so. Mit der Hebamme gehe ich zurück in den Kreißsaal. Sie nimmt das Baby und ich wandere wie auf Wolken statt auf Moos. Angekommen, wird sie erstmal angezogen und nestelt vor sich hin. Da sitze ich nun mit unserem Kind im Arm. So ein kleiner Mensch, so unglaublich hübsch. Bloß nicht fallen lassen!                                                                                        Photo by Jill Sauve on Unsplash

Es ist wie beim ersten Date. Ich habe ein Date mit unserem Kind. Es scheint ihr zu gefallen. Es ist wie verliebt sein, denn ich rede viel wirres Zeug mit ihr. Ich lobe die Hebammen Studentin für ihre Entscheidung diese Arbeit zu erlernen. Ich bin einfach nur froh, dass es diesen Beruf gibt. Endlich kommt Sunny. Noch ans Bett gebunden und etwas gezeichnet von der langen Geburt, können wir schließlich noch einige Zeit zu dritt kuscheln. Danach werden wir auf die Wochenbett Station gebracht. Kurze Verabschiedung und dann muss ich leider gehen.

Ich hoffe, es hat euch gefallen, bis zum nächsten Mal mit dem 2. Teil!

Bis bald!

Max

Photo by Alex Hockett on Unsplash

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