Ein guter Tag, um auf die Welt zu kommen

40 +6 – das heißt, alle paar Tage zum Frauenarzt oder ins Geburtshaus tigern, Pipi ins Becherchen und ran ans CTG. Im Geburtshaus fand ich das super entspannt. Aufs Bett gekuschelt lag ich da und konnte ein wenig vor mich hindösen. Beim Frauenarzt dagegen kam dauernd jemand zur Tür herein, um etwas zu holen, auf den Schreiber zu schauen oder weil er sich in der Tür geirrt hatte, und die “Chaiselongue” auf der ich hatte Platz nehmen dürfen war so unbequem, dass ich kaum ruhig liegen konnte – das Baby dafür schlief seelenruhig im Bauch.

Beim letzten (und einzigen) Frauenarzt-CTG hatte ich mir so halb gedacht, da tut sich was. Immer mal wieder ganz leichtes Bauziehen, wie während meiner Tage. Das CTG aber schwieg sich aus. Also doch nichts. Vielleicht bildete ich es mir nur ein – Wunschdenken, der Bauch war jetzt schon ganz schön im Weg, Schuhe selber anziehen eine Herausforderung. Aber dann, im Laufe des Nachmittages, wurde das Ziehen ein wenig stärker. Also ein wenig. So, dass ich mir wieder denke: Ist da vielleicht doch was?

Gegen Abend wird dann klar: Ja, da ist was. Da geht was. Um 20:50 Uhr ging ich ins Bett, um 21:05 Uhr funkte ich ins Geburtshaus. “Bist du fit? Wir bekommen Heute nacht noch eine Baby!” Kurz darauf wurden die Wehen so stark, dass ich tönend im Wohnzimmer auf- und ablaufe und mich zwischendrin gar nicht mehr hinsetzen wollte. Mein Mann holte das Auto aus der Tiefgarage, eine Wehe veratmete ich draußen vorm Haus. Spätestens da mussten eigentlich alle Nachbarn wissen, dass es bei uns losging.

Als wir kurz darauf beim Geburtshaus ankamen, stand quer auf dem Gehweg bereits ein anderer Wagen. Laut schnaufend stieg eine Frau aus. Die nächste Wehe veratmeten wir gemeinsam im Treppenhaus. Als meine vorbei war, tapste so schnell ich kann in mein “Wunschgebärzimmer”.

Rückblickend verbachte ich die Geburt wie in Trance und doch mit dem Bewusstsein vollkommen im Hier und Jetzt. Um 21 Uhr meinte die Hebamme noch, es könnte vielleicht sogar noch ein Montags-Baby werden. Ganz so schnell, schlüpfte es dann doch nicht raus, sondern ließ sich noch weitere zwei Stündchen Zeit. Und keine Viertelstunde später hörten wir von nebenan das Schreien eines Neugeborenen. Die letzten 4 1/2 Stunden über hatten wir mal abwechselnd, mal parallel unsere Wehen herausgeschrien. Und jetzt waren beide Würmchen fast gleichzeitig auf die Welt gekommen – um 2 Uhr nachts.

Später erfuhren wir von unserer Hebamme, dass für sie damit die Nacht noch nicht vorbei war. Eine dritte Gebärende war nachts noch gekommen, und Baby #4 übernahm unser Zimmer kurz nachdem wir nach Hause gegangen waren.

An die Heimfahrt erinnere ich mich kaum noch – ein Glück, dass wir das Auto meiner Oma hatten und nicht mit dem Taxi fahren mussten. Auch wenn sie mich jetzt immer wieder ungläubig fragt, ob wir nicht doch ein wenig früh nach Haus gegangen seien, so wenige Stunden nach der Geburt. Gegen Mittag, die erste Müdigkeit ausgeschlafen – das Baby schlummerte seelenruhig weiter – gab mein Mann seiner Familie per SMS Bescheid “Sie ist da!”. Antwort seiner Schwester “LOL” und ein Foto ihres Babys, auch gerade gekommen. Der Dienstag war wahrlich ein guter Tag, um auf die Welt zu kommen!

 

Quelle: Bild (c) Privat

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