Stillstreik! Oder warum mein Baby nicht mehr trinken will …

Hier geht es um den „Stillstreik“ eines drei Monate alten Babys, das seine Mutter dadurch das es nicht mehr trinken will und sich nicht mal mehr an die Brust anlegen läst, zur Verzweiflung treibt.

„Mein Baby will sich nicht mehr stillen lassen: wenn ich sie anlegen will – eigentlich schon, wenn ich sie nur in die Stillposition bringe – fängt sie an zu schreien, dreht sich von mir weg, streckt sich durch und ich bringe sie einfach nicht dazu wirklich die Brust zu nehmen und zu trinken. Hunger hat sie aber sie will einfach meine Brust nicht…“

Habe ich nicht mehr genug Milch?

Die Frau war offensichtlich am Ende ihrer Kräfte. Das Verhalten ihres Babys empfand sie als Ablehnung.

„Kann es sein, dass meine Milch nicht reicht oder einfach nicht gut genug ist? Meine Mutter meint ich solle dem Baby einfach mal die Flasche geben, dann würde es auch satt und wäre bestimmt zufriedener aber eigentlich möchte ich mein Baby stillen. Sie meint auch ich wäre viel zu nervös und würde mir zu viele Gedanken machen, das Stillen würde mich völlig fertigmachen, ich solle mich mal entspannen. Sie hat mir auch geraten ich solle mal ein kleines Glas Bier am Abend trinken, das würde mir helfen.“

Nachfragen: mögliche Ursache des Stillstreik

Zunächst klärten wir gemeinsam seit wann sich ihr Baby so verhielt (erst seit etwa zwei Wochen) und wie das Stillen vorher geklappt hat (nicht völlig unproblematisch aber auch nicht so wie jetzt).

Wie war die Gewichtszunahme?

Wir stellten fest, dass das Baby sich völlig im Normbereich befand, es bekam also offensichtlich genug, trotz seines „merkwürdigen“ Verhaltens. Auch produzierte es genügend volle, nasse Windeln – auch das sprach dafür, dass es genug Milch bekam. Nachts klappte das Stillen auch tatsächlich die meiste Zeit gut, nur tagsüber wollte das Baby einfach nicht in Ruhe trinken und brachte damit die Mutter zur Verzweiflung.

Die Unzufriedenheit des Babys macht mich nervös…

„Warum ist mein Baby so unzufrieden?“

Die Mutter war sehr verunsichert, wusste nicht mehr ob das was sie tat richtig war. Sie äußerte auch selbst, dass ihre Nervosität es ihr schwer machte gelassen an die jeweils nächste Stillmahlzeit heranzugehen.

„Ich hab immer schon vorher Angst, dass das Baby gleich wieder los schreit.“

Im weiteren Gespräch schlossen wir noch andere mögliche Ursachen aus: das Baby war nicht krank, die Mutter hatte kein neues Shampoo, Deo o.ä. benutzt und auch nichts gegessen was die Ablehnung verursacht haben könnte. Was schließlich übrigblieb war der leidige Satz:

„Es ist eine Phase…“

Baby-Pubertät? Stillstreik? Oder doch alles nur ganz normale Entwicklung?

Babys unter drei Monaten sind – solange es sich nicht um ein Schreibaby handelt und sie satt und sauber – normalerweise völlig zufrieden wenn sie auf dem Arm von Mama, Papa oder einer anderen vertrauten Person sein können. Sie kugeln sich dann dort ein und versinken ganz in sich und der anderen Person und lassen sich auch nur durch wenig in ihrer Ruhe stören.

Aber dann werden diese friedlichen Säuglinge drei oder vier Monate alt – beim einen früher, beim anderen später – recken plötzlich den Kopf hoch, schauen sich um und entdecken: „Boah es gibt noch ’ne Welt drumrum, klasse!“. Frauen schildern diese Phase oft, als hätten sie von heute auf morgen ein anderes Kind.

Die Babys entwickeln sich – und das sollen sie ja auch, sie sollen nicht ewig der kleine, hilflose Säugling bleiben. Sie legen oft rasant an Gewicht zu, haben jetzt mehr Reserven und Energie und sind damit auch nicht mehr so ganz unmittelbar darauf angewiesen sofort gestillt zu werden wenn sie Hunger haben. Gerade tagsüber ist oft alles andere interessanter als die Stillmahlzeit. Es gibt soviel zu sehen, zu hören, anzufassen, zu beobachten.

Das macht diese Phase anstrengend, für die Mütter aber auch für die Kinder. Wenn soviel Neues entdeckt wird hat man eben auch gut zu tun, das alles zu verarbeiten. Dazu kommt, dass das Baby zwar alles sieht und am liebsten auch alles haben möchte aber noch nichts allein erreicht. Es ist darauf angewiesen, dass die Mutter oder eine andere Person ihm dorthin hilft wo es hin möchte. Ihm den Gegenstand in die Hand gibt, den es gern haben will, was nicht immer geht weil es z.B. zu gefährlich ist oder aber die Mutter nicht versteht was genau das Baby will. Das würde auch uns Erwachsene unzufrieden machen.

Lösungsansätze gegen den Stillstreik

„Es ist nicht deine ‚Schuld‘, du hast genug Milch, das haben wir überprüft. Dein Baby nimmt gut zu, ihm fehlt sonst nichts, bei dir ist nichts anders als vorher. Dein Baby macht gerade einen wichtigen Entwicklungsschritt, für den es aber auch sehr anstrengend ist. Du kannst versuchen dir und deinem Baby die Situation etwas zu erleichtern. Wenn es nachts gut klappt kannst du versuchen tagsüber ein bisschen die nächtliche Stillsituation nachzuahmen, z.B. in dem du den Raum abdunkelst, Umgebungsgeräusche möglichst abstellst usw.

Aber eigentlich am Wichtigsten ist zu wissen: dein Baby lehnt dich nicht ab weil du es nicht richtig versorgen kannst. Du hast es nur aus dir selbst heraus drei Monate am Leben gehalten, dass hat richtig gut geklappt. Dein Baby macht gerade etwas durch (und du mit ihm), was vielen Babys in diesem Alter zu schaffen macht. Es macht das nicht um dich um den Verstand zu bringen oder zu ärgern, es verhält sich so, weil es auf einem Weg ist an ein Ziel: selbständiger zu werden und das ist gerade sehr anstrengend.

Dass dich das verunsichert und nervös macht ist normal, hilft dir aber natürlich gar nicht besser mit der Situation klarzukommen. Deine Mutter hat ganz recht, wenn sie findet  dass du dich entspannen solltest. Ich weiß aber dass das leichter gesagt als getan ist: „Jetzt entspann dich halt mal – aber sofort!“ funktioniert natürlich überhaupt nicht. Und ihr Rat mit dem Gläschen Bier ist ganz sicher nicht der Richtige.

Stillstreik – Was sicher nicht hilft und was vielleicht schon

Alkohol schadet der kindlichen Entwicklung, er kann die Schlafzeiten des Babys stören und verkürzen und Stillprobleme verursachen, weil er die Zusammensetzung, den Geruch und die Menge der Muttermilch beeinflusst. Dadurch trinken die Kinder weniger, nehmen dann nicht mehr so gut zu und werden unruhiger. Damit machst du dir unter Umständen noch mehr Probleme als du sowieso schon mit der Situation hast. Mehr zum Thema Alkohol in der Stillzeit findest Du hier auf unseren Seiten sowie in diesem Beitrag.

Ich glaube auch nicht, dass ihre Lösung „dann gib‘ halt die Flasche“ etwas ändern würde, vor allem willst du das ja auch nicht. Versuche etwas zu finden was dir hilft ruhiger zu werden. Was das ist oder sein könnte kann ich dir nicht sagen, weil das für jeden so verschieden sein kann. Den einen hilft ein schönes Bad, die anderen gehen ’ne Runde joggen. Etwas lesen, Musik beim Stillen, Spazieren gehen…

Du hast dein Baby bisher super versorgt, geh‘ nachher mal vor den Spiegel und klopf dir selbst auf die Schulter dafür! Wenn man in so einem Hamsterrad steckt sieht man kein Land mehr vor lauter Problemen. Aber vieles ist auch gut aber das wichtigste:  schaue dir in einem ruhigen Moment mal dein Baby an. Es ist jetzt drei Monate alt und das wird dieser kleine Mensch nie wieder sein! Wenn du nur in deinen Problemen gefangen bleibst verpasst du das was schön ist, was es jetzt kann und macht und wie schön es ist zu sehen wie es sich entwickelt!

Foto von Tania Van den Berghen via Pixabay

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