Introduction

Konflikte in der Familie: Mama vs. Oma

der Uralte Konflikt: Mama vs. Oma

Konflikte in der Familie: Mama vs. Oma

Im heutigen Beitrag möchte ich mich mit einem eher leidigen Thema auseinander setzen: Mama vs. Oma. In meinem Umfeld gibt es etliche Familien, in denen diese Beziehung immer wieder Spannungen aushalten muss. Darüber hatte ich bereits in meinem Artikel zu ungebetenen Ratschlägen geschrieben. Welche Themen dabei besonders häufig zu Konflikten führen und was man tun kann, darum soll es heute gehen.

Mama vs. Oma: Das Thema Ernährung

Wie ich bereits in meinem Artikel über das Rhythmusstillen geschrieben habe, stillte ich bis zum siebten Monat voll.  Über die Einführung der Beikost hatte ich ausführlich mit meiner Hebamme gesprochen. An ihre Empfehlung wollte ich mich halten und hatte einen guten Plan.  Leider sah das meine Schwiegermutter anders. Am Telefon fragte sie mich eines Tages: „Aber willst du ihr nicht mal was Richtiges geben?“ Von den Empfehlungen meiner lieben Hebamme „hielt sich gar nichts“. Wie anmaßend es ist, meine Muttermilch als „nichts richtiges“ zu bezeichnen, muss ich hier wohl nicht weiter ausführen.

Doch natürlich bot auch die Einführung der festen Nahrung noch ausreichend Konfliktpotential. So versuchte Oma in der Vergangenheit immer wieder, unserer Tochter weit mehr Zucker unterzujubeln, als mein Mann und ich erlaubten. Im ersten Lebensjahr ließen wir überhaupt keinen künstlichen Zucker zu, später nur in kleinen Mengen. Wir wollten unser Kind nicht zu früh an zu süße Speisen gewöhnen, sondern ihr die Chance geben, natürliche Geschmäcker und auch natürliche Süße zu entdecken. Oma hatte andere Pläne. „Aber mal ein kleines Stück Schokolade?!“ „Nicht einmal ein Stückchen Kuchen?“ Zum 100. Mal: Nein! Erstrecht nicht, wenn du unserer Tochter einfach ungefragt ein Stück Kuchen auf den Teller legst. Etliche meiner Mama-Freundinnen haben ähnliches erlebt.

Oma meinte es ja nur gut. Oma will dem Kind ja nur etwas Gutes tun. Das wissen wir. Dennoch war eine klare Ansage nötig. Inzwischen passiert es nur noch selten, dass ich die Hälfte wieder zurück schaufeln muss, wenn Oma unserer Zweijährigen mal wieder eine GANZE Thüringer Bratwurst auftischt. (Eine Menge, die ich als erwachsene Frau benötige, um satt zu sein.)

Mama vs. Oma: Mamas Ernährung

Was mich aber wirklich wütend macht, ist wenn (Schwieger-)Mütter (werdenden) Mamas etwas über die „richtige“ Ernährung erzählen wollen. Als ich in der Stillzeit gänzlich auf Pfefferminztee verzichtete, den ich sonst sehr gern trinke, hatte Oma natürlich Fragen. Ich berichtete, dass schon eine einzige Tasse die Milchproduktion merklich reduzieren kann. Ihr Kommentar: „Euch erzählen sie heutzutage aber auch jeden Quatsch.“ Sorry, Oma. Das ist kein Quatsch. Das ist uraltes Hebammen-Wissen und zudem wissenschaftlich belegt. Pfefferminztee wird bewusst eingesetzt, um Mütter beim Abstillen zu unterstützen. Und nicht wenige Omas boten meinen Mama-Freundinnen nach der Bekanntgabe der Schwangerschaft „nur ein Gläschen Sekt, nur zum Anstoßen. Nur ein ganz kleines. Na komm schon!“ an. Ein absolutes No-Go! Diesen Omas möchte ich gern die Information auf dieser Seite ans Herz legen.

Mama vs. OmaPhoto by Luana Azevedo on Unsplash

Unterschiedliche Erwartungen

Besonders großes Konfliktpotential liegt meiner Erfahrung nach besonders häufig in unterschiedlichen Erwartungen an das Zusammenleben im größeren Familienkreis. Wer darf oder soll wie viel Verantwortung nach der Geburt eines Kindes übernehmen? Wie viel Zeit verbringt man miteinander? Wie viel Unterstützung benötigt und wünscht sich die junge Familie? Eine gute Freundin von mir hat Zwillinge. Sie ist nach Besuchen bei ihren Schwiegereltern immer wieder enttäuscht, dass sie und ihr Mann dort alles genauso alleine machen müssen, wie daheim. Sie bieten keinerlei Hilfe beim Füttern, Anziehen oder Beschäftigen an. Ihre eigenen Eltern sind das genaue Gegenteil und eine riesige Unterstützung, wenn sie zu Gast sind. So unterschiedlich kann es sein.

Als meine Eltern unsere Tochter zum ersten Mal sahen, merkten sie ganz nebenbei an: „Na mal sehen, wann du zum ersten Mal alleine mit uns in den Urlaub fährst.“ Meine Reaktion: „Na vielleicht in 20 Jahren oder so.“ Später stellte sich heraus, dass meine Eltern davon sehr gekränkt waren. Dazu muss man wissen: Sie wohnen 500 km entfernt und wir haben nicht die beste Beziehung. Dann kann ich mir natürlich wenige Tage nach der Entbindung nicht vorstellen, mein Neugeborenes mittelfristig für mehrere Tage in ihrer Obhut zu lassen.

Wir führten ein langes Telefonat darüber. Dabei meinten sie zudem an, dass mein Mann und ich unsere Tochter „jetzt schon zu viel umsorgten“. Ein Neugeborenes! Zu viel umsorgen! Bis heute kann ich über diese Bemerkung nur den Kopf schütteln. Es folgte ein weiteres, sehr langes Gespräch. Seitdem sparen sich meine Eltern ihre Kommentare bezüglich der Erziehung unserer Tochter.

Mama vs. Oma: Konflikte vermeiden

  1. Von Beginn an Grenzen setzen: Jede/r von uns setzt bei der Erziehung unterschiedliche Prioritäten. Einigen ist besonders wichtig, dass das Kind keinen Zucker isst, andere legen besonders großen Wert auf rein ökologische Kleidung, ein Plastik-freies Umfeld oder kein Fernsehen-Regeln. Alle diese Punkte sind vollkommen berechtigt. Und das sollten auch die Großeltern akzeptieren. Ich habe gelernt, dass es bei Keine-Kompromisse-Themen wichtig ist, diese offen anzusprechen und deutliche Grenzen zu setzen. Dann kann vielen Konflikten von vornherein vorgebeugt werden.
  2. Mal ein Auge zu drücken: andere Themen sind einem vielleicht nicht so wichtig. Da kann man auch mal drüber hinweg sehen. Oma schenkt der Kleinen ein Kleid, dass ich im Leben nicht kaufen würde? Okay, dann kommt das halt in die Wechselwäsche für den Kindergarten. Ein Spielzeug ist nicht dem Alter angemessen oder nervt mit seinen lauten Tönen vor allem die Eltern? Dann verschwindet es halt bald irgendwo aus Versehen im Schrank…
  3. Sollte es doch einmal zu einem Konflikt kommen, ist es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben. Nur so kann man der Ursache auf den Grund gehen und ihn letztendlich aus dem Weg räumen. Außerdem soll Baby ja von den Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Großeltern möglichst nichts mitbekommen.
  4. Frust ablassen: Ich kann zu jeder meiner Mama-Freundinnen mindestens einen schwelenden oder offenen Konflikt benennen, den sie mit einer der Omas ausfechtet. Und das ist in Ordnung. Manchmal muss man sich den Frust einfach nur von der Seele reden. Dann kann man die Sache im Nachhinein vielleicht einfach vergessen oder ruhen lassen. (Siehe Tipp 2)
  5. Und ein Tipp für alle Omas: Wir wissen, ihr meint es meistens gut. Dennoch stammen eure Erziehungstipps einfach aus einer andere Zeit und entsprechen teilweise veraltetem Wissen oder anderen Werten. Also nehmt es uns bitte nicht übel, wenn wir daher für viele Tipps einfach alles andere als dankbar sind. Wenn ihr uns wirklich helfen wollt, könnt ihr das mit vier einfachen Worten: „Wie kann ich helfen?“ Danke! <3

Titelbild: Photo by Stillness InMotion on Unsplash

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