Introduction

Ungebetene Ratschläge

Ungebetene Ratschläge

Ungebetene Ratschläge

Diesen Artikel möchte ich mit einer kleinen Anekdote beginnen. Es war ein sonniger Tag im September, Baby und ich besuchten Papa in der Mittagspause in München und wir gingen zusammen im Englischen Garten spazieren. Es waren circa 15 Grad und unsere Kleine, die zu diesem Zeitpunkt noch kaum Haare besaß, trug dementsprechend ein dünnes Mützchen aus Baumwolle. So schlenderten wir zufrieden dahin, bis eine alte Dame in den Kinderwagen blickte und ungefragt ausstieß: „So eine dicke Wollmütze bei dem Wetter. Dem Kind ist doch viel zu warm!“ Mein Mann und ich gingen einfach weiter und gaben fast unisono zurück: „Nein, ist ihr nicht!“ Doch anscheinend wollte diese fremde Frau unbedingt ihren Nachmittag damit verbringen, im Park fremden Menschen ihre Meinung aufzudrücken und setze zum Widerspruch an, dass unser Kind viel zu warm angezogen sei. Doch bevor sie ihren Gedanken zu Ende bringen konnte, rief mein Mann noch einmal über die Schulter zu ihr zurück: „Und ich finde, dass Sie sich geschmacklos angezogen haben. Na und?!“ Dann herrschte bis auf mein Lachen erst einmal Stille.

Ungebetene Ratschläge von Fremden

Wir ärgerten uns beide über diese Anmaßung einer völlig Fremden, wobei ich solche Kommentare natürlich schon gewöhnt war. Mein Mann hingegen konnte es gar nicht fassen, dass ich als Mutter regelmäßig von anderen Personen dazu belehrt werde, wie ich mein Kind zu kleiden, zu ernähren oder zu beschäftigen habe. Denn ungebetene Ratschläge sind an der Tagesordnung für Eltern, sobald eine Schwangerschaft bekannt wird. Häufig kommt es mir so vor, als würden manche Menschen jeglichen Anstand und das Gefühl für normale Umgangsformen verlieren, sobald ein Kind ins Spiel kommt.

Leider muss ich sagen, dass solche Ratschläge meist von älteren Damen kommen. Sicher meinen sie es gar nicht böse und sind sich absolut nicht bewusst, dass ihre ungebetenen Ratschläge nicht nur unnötig, sondern auch unfassbar unhöflich sind. Denn hinter einem: „Ihr Kind ist zu warm angezogen.“ steckt eben auch ein: „ich weiß es besser als Sie, was für ihr Kind das Richtige ist.“ Meist gelingt es mir, mit einem Lächeln zu widersprechen und deutlich zu machen, dass die Meinung von Fremden in dieser bestimmten Situation nicht gefragt und irrelevant ist. Bei besonders dreisten Anmerkungen kann ich aber auch schon einmal sehr deutlich werden. Was leider bei ungebetenen Ratschlägen in der Familie oder im Bekanntenkreis zu Konflikten führen kann.

Ungebetene Ratschläge im Freundeskreis

Wir wohnen im Süden von München auf dem Lande in einem Mehrparteienhaus. Zeitgleich mit mir war auch eine Nachbarin schwanger und unsere Babys kamen nur mit wenigen Wochen Abstand zur Welt. Dieser Umstand ist nach wie vor eine wahre Goldgrube an Ratschlägen, Tipps und Vergleichen für die Nachbarschaft. Leider ist die 70-Jährige Mama unseres Vermieters, die ich eigentlich sehr mag, ganz vorn mit dabei. Von „Du musst das Kind auch mal schreien lassen!“ über „Nachbarin X verwöhnt ihren Sohn durch das Tragen viel zu sehr!“ bis „Und, schläft sie schon durch?“ war wirklich alles schon dabei. Inklusive hilfreicher Tipps und Anekdoten. So berichtete sie mir in den ersten Monaten mit Baby mehrfach, dass ihre Kinder mit einem halben Jahr durchschliefen, weil sie jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Flasche mit dickem Milchbrei bekamen. Dafür hatte sie extra ein größeres Loch in den Sauger gestochen, damit die Kinder die Flasche im Bett austrinken konnten. Zu diesem Zeitpunkte stillte ich noch und meine Tochter schlief, wie fast alle Babys in dem Alter, natürlich noch nicht durch. Was für mich völlig okay war. Für sie aber anscheinend nicht. Ich hingegen verkniff mir eine Vermutung darüber aufzustellen, wie gut diese Methode wohl für die kleinen Babyzähnchen ist und ob dieses Vorgehen eventuell mit dem heutigen Übergewicht ihrer beiden Kinder etwas zutun haben könnte… Und so lächele ich bis heute ihre Erziehungstipps und Ratschläge weg und denke mir meinen Teil. (Okay, hier habe ich auch mal was dazu niedergeschrieben.)

Noch unangenehmer werden diese ungebetenen Ratschläge jedoch, wenn sie von innerhalb der Familie kommen. Hier spreche ich nicht nur aus eigener Erfahrung. Auch etliche meiner Mama-Freundinnen erzählten schon von Konflikten wegen ungefragten Erziehungstipps – meist mit der Schwiegermutter. Das würde jedoch an dieser Stelle zu weit führen, daher wird es zu diesem Thema einen extra Artikel geben. Bleibt also noch folgende Frage zu klären:

Was tun bei ungebetenen Ratschlägen?

Bestimmt hast du schon beim Lesen des Artikels bemerkt, dass mich dieses Thema sehr beschäftigt. Sicher könnte man über einige Situationen auch hinweg sehen oder ungebetene Ratschläge ignorieren. Nur dadurch wird es eben auch nicht besser. Daher lautet meine erste Devise:

Wenn ich keine ungebetenen Ratschläge möchte, dann verteile ich auch keine. Da muss ich auch so ehrlich zu mir sein und mir eingestehen, dass es nicht so einfach ist. Sofern jedoch nicht die körperliche oder psychische Gesundheit des Kindes in Gefahr ist, geht es mich einfach nichts an. Alkohol und Zigaretten in der Schwangerschaft wären zum Beispiel ein Thema, bei dem ich mich einschalten würden. Aber wenn ein Kind auf dem Spielplatz für mein Empfinden zu dünn angezogen ist, dann ist das halt so. Die Eltern werden schon wissen, was sie tun. Und wenn eine Freundin ihrem Kind lieber die Flasche gibt, obwohl sie ausreichend Milch hat und stillen könnte. Dann wird das schon seine Gründe haben und ich bin gespannt, diese zu erfahren. Schließlich muss jede Mama für sich selbst den richtigen Weg finden.

Ungebetene Ratschläge zur Kindererziehung

Photo by Meghan Holmes on Unsplash

Und was meine Reaktion auf ungebetene Ratschläge angeht: hier versuche ich bestmöglich, mein Handeln dem Maß an Grenzüberschreitung der anderen Person anzupassen. Wenn sie anmaßend und frech wird, dann kann ich zurückgiften. Wenn es ein kleiner, lieb-gemeinter Kommentar ist, versuche ich ihn einfach wegzulächeln.

Jetzt interessiert mich: wie gehst du mit ungebetenen Tipps zu deiner Schwangerschaft oder Erziehung um? Bleibst du immer cool oder gibst du auch mal Contra? Hinterlass mir gern einen Kommentar. 🙂

Titelbild: Photo by Katie Emslie on Unsplash

 

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