Hebamme hin – Hebamme her

Letzte Woche haben mich, ja einige werden sarkastisch bemerken: ‚Früh dran‘, die Suche nach einer Hebamme und die Entscheidung, in welcher Klink ich zur Entbindung sein möchte beschäftigt und zugleich nahezu in den Wahnsinn getrieben. Wie kann etwas so natürliches nur so verwirrend und schwierig sein?

Pläne mache war noch die meine Stärke, auch wenn ich es liebend gerne tue. Und manchmal fällt bei mir der Groschen, oder wie in diesem Fall die Entscheidung eben etwas später. So eben auch im Fall der Hebamme. Ich hatte in letzter Zeit viel gelesen und war nun nach unserem Urlaub und viel Zeit zum Nachdenken eben doch zu dem Entschluss gekommen, dass ich für mein erstes Kind gerne eine Hebamme hätte. Also habe ich mich im Internet nach Praxen der unterschiedlichen Hebammen umgesehen und anschließend ans Telefon gehängt. Allerdings war ich ziemlich schnell ziemlich ernüchtert, denn unter jeder Nummer hieß es, dass keine Kapazität mehr frei wäre, oder wenn, dann nur falls etwas kurzfristig frei werden sollte. Ich bin ja sonst ein sehr spontaner Mensch, aber in diesem Fall wollte ich Sicherheit. Ich wollte, dass zumindest im Wochenbett jemand zu mir kommt, mir mit Rat und Tat zur Seite steht und sich um Mutter und Kind kümmert. Nach ca. 1,5, Stunden des Suchens und Telefonieren gingen die Nerven etwas mit mir durch und ich malte mir Horrorszenarien aus, wie ich mit wunden Brustwarzen, heulend mit einem schreienden Baby auf dem Arm im Bett sitze und schlicht alleine bin. Kurzum wählte ich die Nummer meiner Mutter und schluchzte ein theatralisches: ‚Ich werde mein Baby ganz allein bekommen müssen!‘ ins Telefon. Meine Mutter wäre aber nicht meine Mutter, wenn sie nicht sogleich die richtigen Worte parat hätte und es schaffte mich wieder etwas zu beruhigen, Mut zu zusprechen und zu motivieren weiter zu machen. Seltsam, ich bin über 30 und dennoch brauche ich manchmal noch ihre Worte und die Ruhe und Geborgenheit, die damit verbunden sind. Das ist vermutlich diese berühmte Mutter-Kind-Bindung, von der immer alle sprechen und zugleich Panik haben, dass sie bei ihnen nicht gelingt. Ich schließe mich da nicht aus, aber vielleicht hat meine Mutter auch hierfür ein paar weise Worte für mich 😉

Ich suchte also weiter und fand schließlich eine Praxis mit mehreren Hebammen und rotierendem System, das heißt die Hebammen wechseln sich mit den Hausbesuchen und dem Praxisdienst ab. Im ersten Moment war ich etwas skeptisch, denn in meiner Vorstellung hatte ich eben die eine Hebamme als Vertrauensperson. Nach einigem hin und her Überlegen füllte ich aber das Anmeldeformular aus und schickte es per Mail ab. Über die Antwort, die ein paar Stunden später kam, war ich ziemlich überrascht, denn ich wurde tatsächlich abgelehnt. Ich wurde abgelehnt, weil ich im 4. Stock eines Wohnhauses lebte und keinen Fahrstuhl hatte. Ich saß wie vom Donner gerührt vor meinem Laptop und musste die Antwort mehrere Male lesen, bis ich sie richtig verstand. Die Mail war nicht unfreundlich geschrieben, ganz im Gegenteil wurde mir entschuldigend erklärt, dass die Hebammen von der Krankenkasse nur ca. 20-25 Minuten pro Hausbesuch abrechnen durften und die Anfahrt, plus das Transportieren der Arbeitsutensilien in den 4. Stock ohne Aufzug die Kapazität dieser Zeit sprengen würde. Über diese Tatsache war ich so schockiert, dass mir erst nach einige Minuten kam, dass der Grund gar nicht auf mich zutraf und irgendwas schief gelaufen sein musste. Wir hatten sehr wohl einen Aufzug bei uns im Haus. Also atmete ich tief durch und schrieb nochmals eine Mail an die Praxis und erklärte darin, dass bei der Anmeldung wohl etwas schiefgelaufen und bei uns ein Aufzug vorhanden sei. Gleichzeitig stellte ich die Frage, ob dies meine Aufnahme nun möglich machte, oder die Absage bestehen bleiben würde. An diesem Tag bekam ich keine Antwort mehr und ich war bis zum Schlafengehen die Unruhe in Person. Dafür bekam ich aber einen unglaublich netten Anruf am nächsten Tag aus eben dieser Praxis und mir wurde erklärt, dass man mich unter diesen Umständen sehr gerne aufnehmen würde und herzlich zum Infonachmittag einlädt.

Nun bin ich ungeheuer gespannt auf diesen Infonachmittag und hoffe wirklich, dass ich mich in der Praxis wohlfühlen und die Hebammen sympathisch finden werde. Dennoch bin ich immer noch sehr erschrocken, wie schwer es heutzutage ist eine Hebamme zu finden und mit welchen Kriterien Absagen erteilt werden müssen, um im vorgegebenen Rahmen zu bleiben.

Bild: Creativ Commons

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