Alkoholfreies Bier für mehr Muttermilch?

Ich glaube, ich habe zu wenig Muttermilch!

Wieder einmal eine Frau mit einem Baby, das zwischen drei und vier Monate alt war.

Der Zeitpunkt an dem so viele Frauen zu zweifeln beginnen, ob ihre Muttermilch reicht, ob ihre Milch vielleicht nicht (mehr) gehaltvoll genug ist, dem Baby nicht mehr alles bietet was es braucht.

An diesem Punkt greifen so viele Stillende zum Fläschchen mit Milchnahrung oder stillen gleich ab.

Mein Baby ist nur noch unzufrieden

Auch diese Frau war an genau dem Punkt. Das Stillen hatte bis vor zwei Wochen gut geklappt aber seither wirkte ihr Baby ständig unzufrieden, auch zwischen den Stillmahlzeiten aber am Schlimmsten währenddessen.

Es ließ sich zwar noch anlegen, trank dann einige Zeit einigermaßen ruhig, begann aber dann die Brust loszulassen, drehte sich weg, begann zu strampeln und meist mündete das dann in aufgebrachtem Schreien. An Weiterstillen war nicht zu denken. Aber offensichtlich hatte das Baby immer noch Hunger.

Die Gefühle der Mutter

Die Mutter war kurz davor mit der Flasche zuzufüttern, obwohl sie nach eigener Aussage, das eigentlich gar nicht wollte. Aber der Gedanke ihr Baby würde nicht satt machte ihr zu schaffen. „Ich habe das Gefühl ich lasse mein Baby absichtlich hungern, weil ich es unbedingt stillen will…“ Warum schreit mein Kind die ganze Zeit meine Brust an? Das kann doch nur daran liegen, dass es nicht genug da heraus bekommt!?“

Tipps für mehr Milch

Da gibt es viele Mittel die die Frauen angeraten bekommen, von Stilltee, Bockshornklee, Malzbier, bestimmten Nahrungsmitteln (z.B. Grießbrei, Getreidegerichte, Kartoffeln, Hühnersuppe und vieles mehr. Mit der Milchpumpe zwischendurch „nachhelfen“. Entspannungsübungen (weil Stress sich negativ auf die Milchbildung auswirkt).

Viel trinken aber auch wieder nicht zuviel, weil auch das sich wieder negativ auswirken kann. Wechselstillen (während einer Stillmahlzeit die Brustseite mehrmals wechseln). Viel Körperkontakt mit dem Baby.

Alkoholfreies Bier zur Anregung der Milchbildung?

Mass Bier

Dieser Mutter war geraten worden sie solle zur Anregung der Milchbildung alkoholfreies Weißbier trinken. Dazu muss Frau wissen, dass auch alkoholfreies Bier nicht wirklich frei von Alkohol ist, es enthält immer einen Gehalt an Restalkohol. In unserem Kulturkreis wird häufig traditionell auf Bier als Mittel für mehr Milch hingewiesen, dies geschieht vor allem in der Annahme, das dies zur Entspannung der Mutter beiträgt und sie so wieder mehr Milch produziert.

Was als milchsteigernd geraten wird ist kulturell verschieden

Interessant in diesem Zusammenhang ist sicher, dass Mittel zur Steigerung der Milchproduktion bei Stillenden sich von Land zu Land und von Kultur zu Kultur unterscheiden. Da spielen Traditionen und Überlieferungen die Hauptrolle, nicht immer aber steckt hinter diesen Hilfsmitteln auch wirklich fundiertes Wissen.

Die Wirkung von Alkohol beim Stillen

Tatsache ist, gestillte Kinder trinken weniger Milch, wenn die Mutter Alkohol getrunken hat, was eventuell am veränderten Geschmack der Milch liegen könnte. Auch alkoholfreies Bier verändert Geschmack und Geruch der Muttermilch. Wenn das Baby weniger trinkt, wirkt sich das eindeutig auf die Milchbildung aus. Das System der Mutter erhält das Signal, dass nicht mehr so viel Milch gebraucht wird und produziert daraufhin weniger. So kann sich das was eigentlich zur Milchanregung geraten wurde das Gegenteil davon bewirken.

Hat die Stillende wirklich zu wenig Milch?

Ein ausführliches Gespräch darüber woran die Mutter diesen Eindruck fest macht ist wichtig. Dann gilt es natürlich zu klären, wie die Gewichtszunahme des Babys ist, wieviele nasse Windeln es am Tag produziert, was für einen Gesamteindruck es macht und einiges mehr.

Was ist mit anderen möglichen Ursachen für das Verhalten des Babys? Wachstumsschübe, Entwicklungssprünge, Zahnungsbeschwerden, Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel die die Mutter zu sich nimmt, Krankheiten, eine zu unruhige Umgebung, Stress der Mutter…

Und was hilft nun wirklich mehr Muttermilch zu produzieren?

In allererster Linie tatsächlich häufiger anlegen. Der wichtigste Satz beim Stillen: die Nachfrage regelt das Angebot. Davon können viele Stillende ein Lied singen, wenn das Baby plötzlich anscheinend für einige Zeit dauergestillt werden will. Dadurch sendet das Baby dem mütterlichen System das klare Signal: mein Bedarf hat sich erhöht – produziere mehr! Das dauert meist 2 Tage, dann hat sich die Milchmenge gesteigert und das Baby kann auch wieder „normalere“ Stillabstände einhalten.

Und was ist mit der Entspannung für die Mutter?

Die ist sogar sehr wichtig, Stress (egal welcher Art) führt häufig zu Stillproblemen, da die Streßhormone sich ungünstig auf die den Milchspendereflex auswirken und die Babys die Unruhe der Mutter wahrnehmen und darauf selbst mit Unruhe reagieren.

Was einer Stillenden zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit verhelfen kann, ist so individuell verschieden wie wir alle. In sich hineinhören, was tut mir gut, was tue ich gern, was hat mir früher in angespannten Situationen geholfen wieder runterzukommen. Das darf ruhig auch ein leckeres Essen oder ein Lieblingsgetränk sein, das hilft ganz sicher sich besser zu fühlen. Es muss ja kein Bier sein.

 

 

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