Introduction

Vom kleinen Verzicht für das große Glück

Weinflasche mit kein Alkohol Piktogramm

Vom kleinen Verzicht für das große Glück

Okay, wenn ich ehrlich bin, müsste es eigentlich heißen vom nicht ganz so kleinen Verzicht für das ganz große GlückHält man erstmal einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen, weiß man, es wird sich einiges ändern. Und das nicht erst in neun Monaten… 

Für das ganz große (kleine) Glück erwarten einen eben auch neun Monate Verzicht auf das eine oder andere Genuß- oder Lebensmittel. Aber erst mal rausfinden, was geht überhaupt?

Zeit für eine umfangreiche Recherche

Es war Oktober 2020, die erste Woche in unserer neuen Wohnung und mein Schwangerschaftstest zeigte positiv – besser hätte es nicht laufen können. Der Umzug war geschafft (Corona-bedingt notgedrungen ein Kraftakt zu zweit) und Dank einer zusätzlichen Woche Urlaub war alles fertig eingerichtet. Nur zum Anstoßen hatten wir noch keine Zeit gefunden. Tatsächlich hatte ich es auch eher vermieden, denn erste Anzeichen für die Schwangerschaft waren bereits da gewesen. Oder zumindest hatte ich gehofft, die Zeichen richtig zu lesen. Ich wusste, dass es seit zwei Zyklen möglich war schwanger zu werden und wollte definitiv kein Risiko mehr eingehen.  

Dass Alkohol für das Ungeborene extrem schädlich sein kann, war mir bekannt. Dazu gibt es reichlich Artikel, wie beispielsweise diesen auf Focus.de, die über das fetale Alkoholsyndrom (FASD) aufklären und die gravierenden Folgeschäden beschreiben. Erschreckend, wie häufig es tatsächlich noch vorkommt, dass Frauen in ihrer Schwangerschaft Alkohol trinken und folglich Kinder mit FASD bekommen.
Für mich hieß es daher: absoluter Alkoholverzicht!
Aber auf was musste ich zukünftig noch achten? 

Google – dein Freund und Helfer. Oder?

Ich machte mich also an die Recherche. Worauf galt es zu verzichten?
Google wurde mein bester und gleichzeitig auch etwas gefürchteter Freund. Ich kam mir vor, als würde ich eine spezielle Diät ausprobieren. Nur eben nicht um abzunehmen, sondern vielmehr das Gegenteil – gesund zunehmen. Eigentlich ja eine schöne Sache :), trotzdem hieß es erstmal Abschied nehmen.

Keine rohen Tierprodukte – tschüss Medium gegrilltes Steak, ciao weiches Frühstücksei, adios liebes Sushi.
Keine offenen Quarks, Dips, Soßen von der Frischetheke – also auch kein Döner mit Joghurtsoße mehr für mich.
Salat, Obst und Gemüse gerne, aber nicht aufgeschnitten und in Plastik verpackt – galt das jetzt auch für die Schale Blaubeeren und das Päckchen Feldsalat?
Kein Alkohol hieß dann natürlich auch, nicht nur kein Gläschen Wein mehr zur Lasagne, sondern auch kein Fondue oder Coq au Vin (der Rumtopf meiner Oma, den es Weihnachten immer gibt, blieb selbstverständlich, aber auch schweren Herzens unangetastet).

Mit dem Wissen kommt auch die Verantwortung, es richtigzumachen.

Zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern ging man mit vielen Dingen ja noch deutlich laxer um. Mal ein Gläschen Wein am Abend war keineswegs verpönt, Rauchen bis zur Entbindung normal und Weichkäse oder rohe Wurstprodukte überhaupt kein Thema über das man sich Gedanken machte. Man war sich einfach so vieler potenzieller Risiken noch nicht bewusst. 

So einfach es heutzutage ist, sich als Schwangere über gesunde Ernährung, ungesunde (und daher besser abzulegende) Gewohnheiten und mögliche Risiken zu informieren, so umfangreich und überwältigend fand ich teilweise auch die Informationen, die ich erhielt. Die Liste wurde immer länger mit Sachen, über die ich mir ohne Recherche wahrscheinlich nie Gedanken gemacht hätte. Sobald man aber über die Risiken Bescheid weiß, kann und will man die Augen davor nicht mehr verschließen.

Eines war also klar: kein Verzicht konnte so schlimm sein, keine Speise konnte ich so sehr vermissen, als dass ich darüber die Gesundheit meines Babys riskiert hätte. Mochte mir das eine oder andere noch so übertrieben vorkommen, was waren da schon neun Monate zurückstecken, wenn ich dafür sicherstellen konnte, dass mein Würmchen keinen Schaden nahm?! 

Klingt eigentlich ganz einfach? 

Ich will ehrlich sein, das war es definitiv nicht immer. Vor allem, wenn die Menschen um mich herum weiterhin alles essen und trinken konnten, was für mich tabu war.

Zu Beginn hatte ich gewisse Lebensmittel auch schlicht nicht auf dem Schirm. Die Pizza Parma musste da wegen des rohen Schinkens schon mal mit meiner Begleitung getauscht werden. Aber ich kann euch sagen, es gibt schlimmeres, wenn man dafür dann ein Schnitzel bekommt 🙂

Dank meiner irgendwann nicht mehr zu übersehenden Babykugel konnte ich mich in meiner manchmal auftretenden geistigen Umnachtung (deren Auftreten ich auf eben besagte Babykugel schiebe) zum Glück auch auf andere verlassen. Bei einem unserer zugegeben recht häufigen Besuche beim Eismann (irgendeine Ersatzbefriedigung braucht man dann doch), wurde meine Tiramisu-Eisbestellung mit den Worten da ist Alkohol drin beantwortet. Ein absoluter Hand-vor-den-Kopf-Schlag-Moment für mich. Die Eiskugel ging also wieder an meinen Freund und ich freute mich stattdessen über weiße Schokolade mit Pistazie. Sicherlich nicht der schlechteste Tausch 🙂 

Waren es manchmal harte neun Monate? Klares Ja! – War es jeden einzelnen Verzicht wert? Sowas von!

 

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