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Namenssuche: Wie nennen wir unser Kind?

Namenssuche: Wie nennen wir unser Kind?

Die Namenssuche für unser zweites Kind war eine schwere Geburt. Die Tatsache, dass wir bis zum achten Schwangerschaftsmonat noch nicht wussten, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, machte es nicht einfacher.

Den richtigen Namen für sein Kind zu finden, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Schließlich begleitet uns ein Name auch ein Leben lang. Wir müssen uns mit ihm präsentieren, ihn buchstabieren, mit ihm unterschreiben, und er prägt in gewisser Weise unsere Identität. Deshalb sollte der Vorname auch wohlüberlegt sein. Und genau das taten wir bei unserem zweiten Kind auch – sehr gründlich.

Bild von Markus Winkler auf Pixabay

Interkulturelle Tücken bei der Namenssuche

Lange hatten wir uns bei der Suche auf Jungennamen fokussiert. Die Namensliste für ein Mädchen war ohnehin lang, die Auswahl dementsprechend groß. Einen Vornamen für eine zweite Tochter würden wir sicher schnell finden – das dachten wir zumindest. Die Suche nach einem passenden Namen für einen Jungen fiel uns jedoch erheblich schwerer.

Meine Favoriten waren arabischer und italienischer Abstammung. Deutsche Namen passten nicht zu unserem familiären Hintergrund. Mein Freund stammt aus der Türkei und unsere Kinder wachsen zweisprachig auf. Einen blonden Maximilian oder Theodor, der fließend Türkisch mit bayerischem Akzent spricht, fände ich da eher lustig.

Die meisten türkischen Vornamen erschienen mir jedoch zu exotisch. Zudem ist die Aussprache im Deutschen oft problematisch, wie etwa bei „Can“, was schließlich nicht „Kahn“, sondern „Dschan“ gesprochen wird. Die Tatsache, dass Bewerber mit ausländischen Namen bei der Jobsuche benachteiligt werden, spielte eine weitere Rolle in unseren Überlegungen.

Viel besser war ein neutraler, international verständlicher Name, der weder zu lang noch zu populär ist. Schließlich möchte man ja nicht, dass sich auf dem Spielplatz gefühlt jedes dritte Kind angesprochen fühlt, wenn man den Namen ruft.

Unser Namensfavorit für ein Mädchen war bereits vergeben

Bei unserer ersten Tochter war es ganz einfach: Es gab nur einen Wunschnamen für ein Mädchen, der schon lange bevor ich schwanger wurde, feststand. Mein Freund war sofort einverstanden. Ein Name, der deutsch klingt, in beiden Ländern gut ausgesprochen werden kann und der in Deutschland trotzdem selten vorkommt.

Mit Jungennamen taten wir uns bereits beim ersten Kind schwerer. Bis zur Geburt hatten wir uns nicht auf einen Namen für einen Jungen festlegen können. Als wir dann bemerkten, dass es ein Mädchen war, war die Erleichterung um die Namensgebung groß.

Erst als unsere Erstgeborene schon vier Jahre alt war, erfuhr ich, dass die Urgroßmutter meines Freundes den gleichen Namen hatte, allerdings die türkische Variante. Wir hatten die arabische Form für unsere Tochter ausgesucht. Was für ein glücklicher Zufall!

Der Nachname

Beim Nachnamen waren wir uns sofort einig: Sie sollte, ganz klassisch, so heißen wie der Papa. Auch wenn wir dann keinen gemeinsamen Nachnamen haben würden. Wir sind zwar schon lange verlobt, doch sollten wir uns doch noch entscheiden zu heiraten, würde ich meinen Nachnamen behalten. Ich habe einfach schon zu lange mit meinen Namen verbracht als, dass ich sie jetzt noch ändern würde. Außerdem erscheint mir die traditionelle Vorstellung, dass die Frau den Nachnamen des Mannes annimmt, etwas altmodisch. Beim Kinderarzt werde ich immer mit dem Nachnamen meines Freundes angesprochen. Anfänglich hatte ich dies noch korrigiert, mittlerweile ist es mir egal.

Mein Freund freute sich jedenfalls riesig darüber, dass er bei der Vaterschaftsanerkennung kurz vor der Geburt, schon seinen Nachnamen für unser Baby eintragen lassen durfte. Im Gegenzug stimmte zu, dass ich unser Kind christlich taufen dürfe. Unsere Töchter werden im wahrsten Sinne des Wortes multikulti aufwachsen.

Bedeutungsschwere Namenssuche

Neben der Schreibweise und dem Klang und finde ich auch die Bedeutung des Namens relevant. Zumindest sollte diese nicht negativ ausfallen. Es gab einige Namen, die mir gut gefielen, deren Bedeutung allerdings nicht.

So kam es, dass wir uns am Tag vor der Einleitung im Krankenhaus, immer noch nicht für einen Mädchennamen entschieden hatten. Um etwas Stress vor der Geburt wegzunehmen … entschieden wir uns spontan noch vor der Fahrt ins Krankenhaus auf einen Vornamen aus unserer langen Liste an Mädchennamen, der alle Kriterien erfüllte. Er passte zum türkischen Nachnamen, war nicht allzu exotisch, aber auch nicht zu populär und vor allem gefiel er uns beiden. Gleich nach der Geburt wurde der Name an die Tafel vor dem Kreißsaal geschrieben und den engsten Verwandten bereits mitgeteilt.

Privat

Auf die Wochenbettstation überkamen mich jedoch Zweifel, ob es der richtige Name für unser Baby war. Ich schaute unser unkompliziertes Mädchen an, wie sie so friedlich im grellen Sonnenlicht schlief. Sie wirkte so friedlich, so lieb und angenehm. Ich zückte mein Handy und begann zu googeln.

Bereits seit der Geburt meiner ersten Tochter hatte ich einen Lieblingsnamen für ein Mädchen, der meinem Freund jedoch nicht so gut gefallen hatte. Doch er passte nun von seiner Bedeutung her wunderbar zu unserem angenehm ruhigen Mädchen mit ihren blonden Haaren.

Es fühlte sich für mich fortan nicht mehr richtig an, sie mit ihrem ursprünglichen Namen vorzustellen. Also erwähnte ich keinen Namen, als ich Freunden und Bekannten von der Geburt unserer Tochter erzählte.

Unser namenloses Baby weckte das Interesse unserer Umgebung – auch im Kindergarten. Doch unsere Älteste ließ sich nicht beirren. Auf die Frage, wie ihre Schwester denn nun heiße, antwortete sie prompt: „Sag’ ich nicht!“

Spatzi, Schatzi, MausiPuppi … ich hatte auch so genügend Namen für mein kleines Baby. Nur einmal als ich unsere große Tochter vom Kindergarten abholte und sie ermahnte, dass „das Baby“ jetzt nach Hause müsse, schmunzelte ein befreundeter Papa belustigt.

Wir hatten vier Wochen Zeit, bis wir ihren Namen im Standesamt eintragen lassen mussten, und die nahmen wir uns auch. Was sind schon vier Wochen im Vergleich zu einem ganzen Leben, mit einem Vornamen, mit dem man nicht zufrieden ist?

Zwei wundervolle Vornamen für unser Baby

Am Ende einigten wir uns darauf, beide Vornamen eintragen zu lassen. So hätte unsere Tochter immer noch die Gelegenheit, ihren Rufnamen ändern zu lassen. Der Papa, sein Bruder und seine Freunde rufen sie jetzt immer noch bei ihrem Zweitnamen. Er ist so etwas wie ihr Kosename geworden.

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