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Geburtseinleitung vor dem errechneten Termin

Geburtseinleitung vor dem errechneten Termin

Je mehr das Wochenende verstrich, desto sicherer wurde ich mir, dass ich die Geburt am Montag nicht einleiten lassen würde. Einerseits fühlte ich mich noch nicht bereit dafür, andererseits fiel der Montag auch noch auf den 13. Wenn das Baby sich ausgerechnet an diesem Tag entschieden hätte zu kommen, hätte es wohl meine Glückszahl werden können. Doch ich wollte diese Entscheidung nicht selbst treffen.

Allein die Wahl, ob ich eine Geburtseinleitung vor dem errechneten Termin zulassen sollte oder nicht, war schwer genug. Unter normalen Umständen, wenn das Baby in Schädellage gewesen wäre, hätte ich einer Einleitung nicht zugestimmt. Aber nun saß ich wie auf einem Pulverfass: Würde das Baby sich erneut in Beckenendlage (BEL) drehen oder mit dem Kopf nach unten auf die Geburt warten?

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Ein süßer Rückblick

Zwar nahm ich meinen Termin im Krankenhaus wahr, doch zur Geburtseinleitung blieb ich nicht. Auf dem Rückweg kaufte ich noch ein Stück Torte in der Konditorei am Goetheplatz, in der ich am Tag vor der Geburt meiner ersten Tochter gefrühstückt hatte. Ich schwelgte in Erinnerungen. Auf dem Nachhauseweg hatten die ersten Wehen eingesetzt, am nächsten Morgen zur Frühstückszeit hatte ich sie bereits in meinen Armen gehalten.

Mentale Vorbereitung auf die Geburtseinleitung

Ich hatte die Einleitung der Geburt auf den nächsten Tag verschoben, um mich mental besser darauf vorzubereiten. Meine Mutter war aus Hessen angereist, um während der Geburt auf unsere ältere Tochter aufzupassen. Gemeinsam schickten wir sie in ein nahegelegenes Hotel, da ich in unserer kleinen Zweizimmerwohnung, so kurz vor dem errechneten Termin, keine Gäste mehr ertragen konnte.

Es war ein lauer Frühsommerabend als die Hebamme, die ich am Freitagabend getroffen hatte, mich noch einmal anrief. Doch das Telefonat mit ihr beruhigte mich wenig. Sie selbst wunderte sich über die Empfehlung zur Geburtseinleitung durch Öffnung der Fruchtblase.

Erster Versuch, die Geburt einzuleiten

Nach einem ausgiebigen Frühstück auf unserem Balkon, rief mein Freund ein Taxi und wir machten uns gemächlich auf den Weg in die Klinik. Als der Fahrer, selbst zweifacher Vater, verstand, dass wir dort unser zweites Kind bekommen würden, wurde er sentimental. Mit guten Wünschen ließ er uns vor der Krankenhaustür zurück.

Im Kreißsaal wurde ich bereits erwartet, während mein Freund aufgrund der Coronabestimmungen im Wartezimmer Platz nehmen musste. Nach meiner Ankunft wurde zunächst ein CTG (Kardiotokographie) geschrieben, um die Herztöne des Babys und meine Wehentätigkeit zu überwachen.

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Nach dem CTG wurde mir ein Zugang gelegt. Jetzt stand die entscheidende Frage an: Welche Methode der Geburtseinleitung sollte ich wählen? In meiner Entscheidung vertraute ich erneut auf eine vermeintlich sanfte Methode. Ich wählte ein Band, das für die nächsten 24 Stunden in meine Vagina gelegt wurde. Es war ein unangenehmes Gefühl. Das Band setzt sogenannte Prostaglandine frei, die normalerweise vor und während der Geburt vom Körper selbst produziert werden. Die Prostaglandine sorgen dafür, dass der Muttermund weicher wird und sich öffnet.

Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass diese Methode tatsächlich auch Wehenstürme auslösen kann. Das war eine meiner größten Ängste. Aber welche Einleitungsmethode ist schon optimal? Schließlich steht jede Intervention im Widerspruch zur natürlichen Geburt.

Eine wichtige Entscheidung

Ich bezog mein Zimmer auf der Wochenbettstation, gleich neben der Kardiologie-Station. Im Aufenthaltsraum warteten mein Freund und ich bei Kaffee und Tee auf den nächsten Termin. Am Abend bekam er schließlich die Erlaubnis, mich zum CTG zu begleiten. Die Oberärztin, die auf Beckenendlagen spezialisiert war, führte diesmal die Untersuchung durch und empfahl erneut die Einleitung durch Öffnung der Fruchtblase. „Sind Sie bereit, Ihr Kind heute Abend zu bekommen?“ Ich war es nicht!

Die Oberärztin beschwichtigte und betonte, dass sie voll und ganz auf die Intuition der Mütter vertraue. Wenn ich heute Abend noch nicht bereit sei, müsse ich es auch nicht tun. Stattdessen riet sie uns, den Abend zu zweit noch einmal zu genießen. Obwohl ich eigentlich das Krankenhaus aufgrund meines Zugangs und des Bandes nicht verlassen durfte, ermutigte sie uns regelrecht, gemeinsam essen zu gehen. Den Zugang sollte ich jedoch unter meiner langärmligen Bluse verstecken.

Ein besonderer Abend beim Italiener

So verließen wir das Krankenhaus und gingen in ein nahegelegenes italienisches Restaurant. Von dort aus hatten wir einen Blick auf die alte Klinik, in der unsere ältere Tochter das Licht der Welt erblickt hatte. Nostalgische Gefühle überkamen mich. Ein bisschen aufgeregt war ich aber auch: Was, wenn es im Restaurant plötzlich losgehen würde? Schnell bestellten wir Pasta. Mein Freund begleitete mich noch bis zum Klinikeingang, bevor ich alleine zurück auf mein Zimmer gehen musste.

Aline Ponce auf Pixabay

Eine unruhige Nacht

In dieser Nacht konnte ich vor lauter Aufregung kaum Schlaf finden. Am nächsten Tag begann der übliche Krankenhausalltag mit Frühstück gegen 8 Uhr. Ich glaube, danach schlief ich noch einmal ein. Am Nachmittag sollte ich mich erneut im Kreißsaal melden.

Ergebnisse des ersten Einleitungsversuchs

Das tags zuvor eingeführte Band schien kaum Erfolg gebracht zu haben. Dennoch hatte sich mein Muttermund bereits auf einen Zentimeter geöffnet. Und das, ganz, ohne dass ich etwas davon gespürt hatte.

Leider hatte die nette Oberärztin an diesem Tag keinen Dienst. Doch der diensthabende Oberarzt riet mir ebenfalls zur Öffnung der Fruchtblase. Es war eine Woche vor dem errechneten Termin. Ich hatte große Angst vor einem Kaiserschnitt und haderte mit meiner Entscheidung. Widerwillig stimmte ich zu. Was blieb mir auch anderes übrig? Sollte ich etwa darauf warten, dass sich das Baby erneut in die Beckenendlage drehte?

Ein großer Kreißsaal

Ich wurde in einen großen Raum mit Geburtswanne geführt. Dieser Kreißsaal war der schönste und größte, den ich bisher gesehen hatte. „Sie dürfen nun bis zur Geburt hier bleiben.“, teilte mir die Hebamme mit. Ich war erleichtert, nicht wieder auf die Station zurück zu müssen.

Einleitung durch Öffnung der Fruchtblase

Irgendwie war diese Einleitung sogar entspannter als meine erste Geburt, bei der ich vor Schmerzen gar nicht mehr sprechen konnte.

Die künstliche Eröffnung der Fruchtblase, auch als Amniotomie bekannt, ist eine alte Methode zur Geburtseinleitung und wird heute nur noch selten angewendet. Dabei wird die Fruchtblase vorsichtig mit einem scharfen Instrument geritzt oder angestochen, wodurch das Fruchtwasser beginnt, abzulaufen. Im Idealfall setzt dies die Ausschüttung von Prostaglandinen in Gang und fördert die Wehentätigkeit. Der Eingriff selbst ist schmerzlos, er erhöht jedoch das Infektionsrisiko. Die Geburt sollte dann binnen weniger Stunden erfolgen, um Komplikationen zu vermeiden.

Der Oberarzt erklärte mir den Vorgang, bevor er mit einem Handschuh, an dem ein kleiner Haken befestigt war, behutsam meine Fruchtblase öffnete. Von dem Eingriff spürte ich kaum etwas, lediglich einen Schwall Wasser, den die Hebammen sorgfältig in einer Wanne auffingen. Würde dieser Schritt die Geburt nun in Gang bringen?

 

 

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