Bella Italia

Nach einer Woche Zusatzurlaub sind wir nun wieder in heimischen Gefilden gestrandet und gewöhnen uns langsam wieder an unseren Alltag. Das heißt für Tom wieder fleißig arbeiten und für mich Koffer auspacken, klar Schiff in der Wohnung machen und immer mehr von unserer Zukunft träumen. Allerdings denke ich auch viel an unsere Zeit in der Toskana und auf Elba zurück, denn diese zwei Wochen waren wunderschön und von einem unserer Erlebnisse möchte ich euch gerne berichten.

Von Elba gehört hatte ich schon öfter, mich jedoch nie wirklich für die italienische Insel interessiert und so konnte ich so gar nicht einschätzen, was mich erwarten sollte. Wie im letzten Eintrag schon erwähnt, hatten wir eine nette kleine Ferienwohnung gemietet, von der aus wir mit dem Auto die Insel erkundeten und viele Ausflüge machten. Zur Wohnanlage gehörte auch ein kleiner Pool und ich genoss die Möglichkeit jeden Morgen eine Runde zu schwimmen, da sich meine Körperlichkeit scheinbar von Tag zu Tag verändert und mir dieses Gefühl der Schwerelosigkeit unglaublich gut tat. Was mir allerdings am besten gefiel, war der Geruch nach Meer, der mir immer in der Nase lag und es mir sehr einfach machte mich wohl zu fühlen.

Auch auf Elba machten wir, wie gesagt, einige Ausflüge und so landeten wir einmal auch in Portoferraio, wo wir am ersten Tag mit der Fähre angekommen waren. Tom gefiel an diesem Tag der Hafen so gut, dass er nochmal dorthin wollte, um sich etwas genauer umzusehen. Wir parkten unser Auto und marschierten los. Auf meine Frage, ob er nicht zuerst was essen wollte, schüttelte mein Liebster entschlossen den Kopf und meinte, dass er sich zuerst umsehen wollte. Ich zuckte mit den Schultern, schließlich hatte ich vor unserer Abfahrt in der Ferienwohnung noch etwas Kleines gegessen und zudem seit Beginn meiner Schwangerschaft immer Snacks, wie Nüsse oder Reiswaffeln, in der Handtasche. Also trottete ich Tom den Hafen entlang nach, während dieser seiner Leidenschaft nachging und sich die vielen Boote aus aller Welt betrachtete. Schließlich entdeckten wir sogar eine kleine Bimmelbahn, die eine 30minütige Tour durch den Ort und vorbei an sehenswerten Gebäuden machte und entschieden uns eine Runde mitzufahren. Ein Blick auf meine Uhr sagte mir jedoch, dass es bald 15 Uhr war und daher fragte ich Tom wieder, ob er nicht erst etwas essen wollte, denn nach der Mittagszeit würde es schwer werden etwas zu bekommen. Dieser winkte aber wieder ab, drückte dem netten Mann von der Bahn den Fahrpreis für uns zwei in die Hand und winkte mir, ich solle einsteigen. Ich, immer noch vollkommen satt, stieg ein und losging die wilde Fahrt. Lustig rumpelte die kleine Bahn durch den Ort, passierte kleine süße Gassen und erklomm beachtlich steile Anhöhen, die einen tollen Ausblick aufs Meer und Elba selbst gaben. Wir waren uns einig, dass es eine wunderbare Idee war die Rundfahrt zu machen und stiegen zufrieden wieder im Hafen angekommen aus.

Ja, und hier stand er nun mein Göttergatte, legte die rechte Hand auf seinen Bauch, verzog das Gesicht etwas und gab zu Protokoll, dass er JETZT etwas essen möchte. Ich musterte ihn kurz, entschied mich dann aber nicht klugzuscheißen und nickte nur. Gut, dann würden wir uns nun also auf die Suche nach einem Restaurant machen, das durchgehend geöffnet hatte. Ich hoffe ihr hört mich innerlich laut auflachen, denn mir war klar, dass jetzt alles geschlossen hatte und wir höchstens noch eine Bar finden würden, um etwas zu trinken. Tom wollte aber Pizza! Jetzt! Wer ist hier jetzt schwanger? Aber gut, entschlossen eilte der Mann durch die Gassen und stand vor einer verschlossenen Tür nach der nächsten. Als er endlich ein Restaurant fand, in dem noch Licht brannte, gab er ein triumphierendes ‚Ha!‘ von sich und eilte drauf zu. Mit dem Erfolg, dass das Licht, noch während er eilte gelöscht wurde und er abrupt stehen blieb. Ich setzte mich in Bewegung und holte schon Luft, um ihn zu trösten, als plötzlich die Tür des Restaurants aufgerissen wurde und ein Mann heraussprang, der auf mich deutete ‚Mangiare? Mama mangiare?‘ Etwas irritiert nickte ich, da mein hungernder Mann ja neben mir stand und den Italiener mit großen Augen ansah. Dieser lachte, schloss seine Tür zu und eilte dann mit großen Schritten los ‚Andiamo!‘ Also liefen wir hinter ihm nach, durch einige Gassen, über einen kleinen Platz und schließlich zu einem anderen Restaurant, das zwar ebenfalls geschlossen war, dessen Türen er aber aufriss und nach jemanden rief. Das Ende vom Lied war, dass wir in Mitten einer italienischen Familie standen, die selbst grade zu Tischen waren und gar nicht so schnell gucken konnten, wie uns zwei Stühle an den Tisch gestellt wurden und zwei weitere Gedecke aufgelegt. Die Familie konnte es gar nicht glauben, dass die schwangere Deutsche nichts zu essen bekommen sollte und daher wurden wir ohne zu zögern von ihnen eingeladen. Tom war selig und genoss die selbstgemachte Lasagne der Oma und die Glückwünsche der restlichen Familie zu unserem Kind in vollen Zügen. Und ich? Ich konnte schlecht am Tisch sitzen und nichts essen, also nahm ich den Satz ‚für zwei essen‘ an diesem Tag eben sehr genau. Noch heute und zuhause schwärmen wir beide von diesem Essen und der lustigen Zeit, die wir mit der Familie hatten, denn das war wirklich eine einmalige und wunderbare Sache.

Bezahlen durften wir das Essen übrigens nicht, aber die Oma wollte einmal über mein kleines Bäuchlein streicheln und nach so viel Herzlichkeit gewährte ich ihr diesen Wunsche nur allzu gerne.

Bild: Creativ Commons

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