Introduction

Schwanger – wie sage ich es dem „Vater“?

Schwanger – wie sage ich es dem „Vater“?

Mit dem positiven Testergebnis und dem Ultraschallbild ging ich zum Meer. Wow – ich hatte das Herzchen schlagen sehen. Schwanger – wie sage ich es dem „Vater“? Wir waren ja bisher kein Paar. Konnte ich mir überhaupt ein Kind in meinem Leben vorstellen? Tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf. Das Meer vor mir und die Füße im Sand gaben mir ein wohliges Gefühl. Mein erster Gedanke war „Okay let’s do it“. Am Strand sammelte ich Muscheln, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.

Sie liegen heute als Erinnerung an diesen magischen Moment auf meinem Couchtisch im Wohnzimmer.

Wie würde das Leben wohl werden

Am Abend fuhr ich die 3h von der Algarve zurück nach Ericeira in den Westen von Portugal. Auf der Fahrt hatte ich ein kleines Grinsen im Gesicht. Jetzt gab es ja keine Zweifel mehr, dass ich schwanger war. Ich malte mir aus, wie das Leben wohl werden würde, wenn Hugo, der „Vater“, positiv auf das Kind reagieren würde. Trotzdem blieb ein kleines Bauchgrummeln aus Sorge vor einer Ablehnung.

Sozialer Rückzug und Ängste

Die nächsten Tage waren sehr emotional und ich bin in den absoluten sozialen Rückzug gegangen. Ich konnte keine Events besuchen, Menschen treffen oder Sightseeing betreiben. Meine Gedanken drehten sich nur noch um das Kind in meinem Bauch. Die Angst vor der Reaktion des „Vaters“, Existenzängste, Appetitlosigkeit, Übelkeit – alles mischte sich. Ich hatte keine Ahnung, wie es weiter gehen sollte.

Ab jetzt schwanger ohne Promille

Bisher war ich ein Mensch, der nicht auf seine Ernährung geachtet hat. Das hat sich schlagartig, automatisch und intuitiv geändert. Dass ich von da an keinen Alkohol mehr trank, stand außer Frage. Aber auch mal einen Salat statt Pommes, Pizza und Pasta zu schlemmen – das war nun achtsamer und ein stück weit neu.

Ich spürte die Verantwortung für das kleine Dingsi in meinem Bauch. Obwohl ich noch nicht wusste, ob ich die Schwangerschaft abbrechen wollen würde.

Ich konnte nicht mehr warten

Einige Freunde wussten jetzt also über meine Situation Bescheid. Meine Familie nicht, denn zu der habe ich seit 20 Jahren keinen Kontakt und das möchte ich auch nicht ändern. Wer aber immer noch nichts von seinem „Glück“ wusste, war der „Vater“ des Kindes. Mittlerweile war über eine Woche vergangen und ich hatte nichts von ihm gehört. Das ungute Grummeln in meinem Bauch wurde immer lauter. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr warten kann, bis dass er sich meldet. Und so textete ich ihm und fand heraus, wo er am Wochenende surfen ist. Ich beschloss, ihm dort am Strand die Botschaft zu überbringen.

Aufregung vor dem Treffen

Am Samstag war es so weit. Bevor ich Hugo am Strand treffen wollte, hatte ich das Bedürfnis, meine Nerven zu beruhigen. Ich fuhr mit meinem Auto in das Dörfchen Obidos, das mir mein Bekannter als super sehenswert empfohlen hat. Dort gab es ein großes Fest und in den kleinen gemütlichen Gassen herrschte ein reges Treiben. Beim Umherschlendern kreisten meine Gedanken um das bevorstehende Gespräch. Was würde er wohl sagen? Würde er eine Beziehung mit mir wollen? Würde er das Kind wollen? Ich war so sehr gespannt und die Unruhe in mir wurde stärker. So beschloss ich das Dörfchen zu verlassen und zum Strand in Peniche zu fahren, an dem ich Hugo treffen wollte.

Dort angekommen, suchte ich mir ein Plätzchen und beobachtete die Surfer. Hugo ließ mich wissen, dass er sich verspäte und noch an einem anderen Strand surfen sei.

Er war nicht allein unterwegs

Ich war so nervös, dass ich mich in den Sand legte, um mich zu erden und noch eine Meditation zu hören. Irgendwann hielt ich das Herumsitzen und Warten nicht mehr aus und ging am Strand spazieren, mit Musik in den Ohren. Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter. Es war Hugo. Er grinste mich an. Meine Nervosität erreichte ihren Höhepunkt. Wir wechselten ein paar Worte und plötzlich kam eine Frau mit Surfbrett auf uns zu. Sie fragte Hugo nach dem Autoschlüssel und warf ihm einen verführerischen Blick zu. Mein Herz setzte einen Moment aus. Er war nicht allein und es war offensichtlich, dass die beiden nicht nur Surffreunde waren. Sie ging zum Auto zum Umziehen und ich dachte „Jetzt oder nie“. Und so sagte ich ihm, dass ich von ihm schwanger sei. Er atmete tief durch und seine Begleitung kam in diesem Moment zurück zu uns. Es war filmreif. Er bat Sie uns allein zu lassen und wir gingen ein paar Schritte. Sie blieb verdutzt zurück und wartete in einiger Entfernung.

Sterilisation statt Familienplanung

In unserem Gespräch wurde klar, dass er sich weder eine Beziehung mit mir, noch ein weiteres Kind vorstellen könne. Er war gerade frisch getrennt von seiner Ex-Freundin und beide haben bereits ein gemeinsames Kind. Er teilte mir mit, dass er eigentlich schon sterilisiert wäre, wenn nicht Corona dazwischengekommen wäre. Es blieb kein Zweifel – er wollte auf keinen Fall weiteren Nachwuchs. Eine Stunde später verabredeten wir uns für den nächsten Tag, um in Ruhe zu sprechen. Er bat um Zeit, um die Nachricht zu verdauen.

Zurück am Auto brachen die Emotionen aus mir raus. Ich rief eine Freundin an und teilte meinen Schmerz mit ihr. Puh, das war alles so surreal.

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