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Risikoschwangerschaft auf Papier

Risikoschwangerschaft auf Papier

Laut meiner Frauenärztin geht es mir gut. Und dem Baby auch. Auch wenn laut meinem Mutterpass offiziell eine Risikoschwangerschaft besteht – da wird bei fast allen Schwangeren irgendwo ein Kreuz gemacht, beschwichtigt sie.

Graues Risiko

Wohl war, man wird offiziell recht schnell als Risikoschwangere gehandelt. Gerade Frauen ab Mitte 30, die automatisch in die Kategorie fallen, können das bestätigen. So schwarz-weiß ist das „Risiko“ natürlich nicht. Auch die Faktoren, die da zusammenspielen, sind sehr unterschiedlich, und erfordern verschiedene Grade an Vorsorge. Ich bin mit einer kleinen Gerinnungsstörung, einer Antibiotika-Allergie und familiären Blutdruck- und Herzproblemen in die Kategorie gerutscht. Eine Risikoschwangerschaft bedeutet auch nicht gleich, dass die Schwangerschaft problematisch verläuft. Probleme können bei Risiko- und Nicht-Risiko-Schwangeren auftreten. Und genauso können sie in beiden Fällen wegbleiben.

Risikoschwangerschaft – Deckmantel für eine Klinikgeburt

Zumindest konnte ich meine Gerinnungsstörung gut als Grund vorschieben, warum ich mich nicht für eine Entbindung im Geburtshaus oder eine Hausgeburt entschied. Denn die Frage, warum ich mich nicht für eine „natürliche, selbstbestimmte Geburt ohne unnötige Interventionen“ außerhalb eines Krankenhauses entschied, wurde mir überraschend häufig gestellt. Erst recht, da ich doch noch so jung und gesund sei.

photo by alexander grey via unsplash

Dabei wollte ich einfach nur auf die Sicherheit, die mir eine große Klinik bereitete, nicht verzichten. Ja, meinem Baby geht es gut, und mir auch. Aber ich wusste, ich würde mich entspannter fühlen, wenn die nächste Neugeborenen-Intensivstation nur einen Gang weit entfernt ist, und nicht eine Krankenwagenfahrt. Nach dem Motto: Vertrauen in den eigenen Körper ist gut. Absicherung ist besser.

Eine ambulante Geburt kam laut Klinik ebenfalls nicht mehr infrage. Auch das fanden erstaunlich viele Beistehende sehr schade. Seufzend, lächelnd und nickend dachte ich mir im Stillen: Leute, ich hatte noch nie ein Baby auf dem Arm. Ich hab‘ null Plan von Kindern. Bei dem Gedanken, mit einem Neugeborenen kurz nach der Geburt nach Hause geschickt zu werden, wurde ich vor Angstschweiß nass wie ein Delfin. Und gab ähnliche quietschend-schrille Schreie von mir.

Problemlos durch die Schwangerschaft

Glücklicherweise waren meine Sorgen vor einer problematischen Schwangerschaft letztendlich nur das – Befürchtungen, die sich nicht bewahrheitet haben. Mit blieben Bluthochdruck und Präeklampsie erspart, trotz familiärer Vorbelastung. Blutungen, Placenta praevia, vorzeitige Wehen, Listerieninfektion – all das blieb aus. Nach einem grenzwertigen OGTT-Ergebnis gab ein großer Glukosetest klare Entwarnung: doch kein Schwangerschaftsdiabetes. Und am wichtigsten: Meinem Baby ging es gut.

Auch Gewichtsprobleme blieben mir erspart. Mehr oder weniger. Ich hatte erwartet, wie ein Hefekloß aufzugehen und auch dauerhaft mit Übergewicht und Lipödemen zu kämpfen zu haben. Ganz gemäß der Familientradition. Meinen Mann hatte ich schon Jahre vorher damit konfrontiert, dass sich mein Körper durch eine Schwangerschaft wahrscheinlich stark verändern würde. Doch ich hielt mein Gewicht. Ein wenig zu gut.

Denn letztendlich nahm ich sage und schreibe ganze vier Kilo zu.

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