Introduction

Schwanger! Und jetzt?

Schwanger! Und jetzt?

So ein wenig werfe ich mir schon vor, keine schöneren Worte gefunden zu haben, um meinem Mann zu sagen, dass er Vater wird. Auch das „Alter Kacke, verdammte Scheiße“ gleich im Anschluss hätte ich mir sparen können und andere … nicht jugendfreie Ausdrücke, die geistesabwesend noch gebrabbelt wurden. Das galt, wenn ich es auch nicht ausgesprochen hatte, dem Gedanken an das herausgeschmissene Geld für Hormonspritzen, die nun nur noch extravagant teure Kühlelemente im Kühlschrank sind.

Etwas Schnee und Surrealismus

Ohne meine Wortwahl rechtfertigen oder entschuldigen zu wollen: Georgs Reaktion ist auch nicht gerade rosig. Die auf das Eichhörnchen, das ein paar Minuten später im frisch gefallenen Schnee vor unserem Fenster vorbeihuschte, ist viel freudiger und aufgeregter, als auf meine frohe Botschaft. Tatsächlich ist er erstmal stark genervt – nicht wegen des Inhaltes, sondern wegen, nun ja, der Präsentation.

Aber dann kommt das sanfte Lächeln, das lange „aww“ und die innige Umarmung bis in die tiefsten Muskelschichten. Er freut sich, Gott sei Dank, und offensichtlich verliert er gerade – im Gegensatz zu mir – keinen Gedanken an das verprasste Geld. Aber er ist merklich von der Rolle. Ich ja auch. Es fühlt sich noch wie ein betäubter Traum an, als stünden wir in einem bizarren Wolkengemälde. Ich würde behaupten, wir zählen zur Mehrheit, die sich nach solchen Offenbarungen erst einmal in einer neuen, surreal anmutenden Wirklichkeit zurechtfinden muss.

Ein zweiter Test ist unnötig

Eigentlich wollte ich noch einen zweiten Test machen, um sicherzugehen. Was für ein Blödsinn denke ich mir. Ein falsch-positiv ist (vor allem im Vergleich zu einem falsch-negativen Ergebnis) unglaublich selten, beziehungsweise so oder so ein Grund, zum Arzt zu gehen. Ein technisches falsch-positiv, also eines, das an einem kaputten Test liegt, quasi unmöglich. Mein Kopf, mein Lehrbuchwissen sagt: Es braucht keinen zweiten Test. Das ist herausgeworfenes Geld.

Natürlich mache ich einen zweiten Test.

Der ist auch positiv.

Und jetzt?

Soweit so gut. Was jetzt? Wir wissen nicht recht, was wir jetzt, an diesem Tag, machen sollen. Wir fühlen uns wie Laien.

Also gehen wir spazieren, raus in den ersten Schnee des Jahres, unser Gemüt kühlen. Der Schnee fällt noch, zart und unschuldig. Endlich, nach einem verregneten Jahr. Neu und aufregend und ungewohnt. Er wirkt ruhig, scheint zu beruhigen. Im Park offenbart er seine wahre Natur: Er bringt ein freudiges Chaos und laut jauchzende, umher tollende, aufgedrehte Kinder mit sich, die heiter die lang ersehnte Schlittensaison eröffnen.

Photo by Alex Padurariu via Unsplash

Es wird ernst mit dem Verzicht

Am Kiosk gibt es wärmenden Punsch. Ich gehe trotz Schild, fast schon etwas stolz, sicher, dass der wirklich ohne Alkohol ist. Diesmal muss ich ja wirklich sicher sein. Dank Corona ist gerade Alkoholausschank draußen sowieso verboten. Trotzdem frage ich nach und zahle für etwas heißen Saft im Pappbecher viel zu viel Geld. Jetzt wird’s ernst mit dem Alkoholverzicht, jetzt sind keine Rückfälle, keine Exzesse mehr erlaubt. Auch kein kleines Glas in Ehren und kein Sekt zum Anstoßen und kein Schnaps im Punsch. Keine Ausnahmen mehr. Wirklich nicht.

Ab jetzt geht es um mehr, als nur um meine Gesundheit oder meine Fruchtbarkeit. Ich habe plötzlich mehr Verantwortung, als nur für mich, für mein Leben. Die ultimative Motivation, nicht zu trinken, trifft auf das ultimative Tabu – Alkohol in der Schwangerschaft. Aber ich traue mir das zu. Ich will das richtig machen. Ich glaube fest, dass das klappen wird. Acht Monate noch, das ist schon eine krasse Zeit. Und was ist mit der Zeit danach?

Wenn aus Zukunft allmählich Gegenwart wird

Einen Kinderwunsch zu haben, Kinder planen, über die Zukunft reden, ist das eine. Und nun ist die Zukunft da, klopft an. Worüber redet man jetzt? Wir tapsen ein bisschen herum, aufgeregt und unsicher. Nur in einem bin ich mir gerade sicher: Dass ich unglaublich dankbar bin, dass Georg da ist, so absurd das auch klingt. Wo sollte er auch sein, er ist ja sehr offensichtlich Teil hiervon. Und doch bin ich gerade froh, eine Geborgenheit zu finden, und diese hält mich noch am Boden fest.

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