Introduction

Wie kann man Liebe teilen?

Wie kann man Liebe teilen?

Kürzlich unterhielt ich mich seit langem und das erste mal seit der Geburt unseres zweiten Kindes mit einer alten Freundin. Sie erinnerte sich daran, dass ich kurz nach der Geburt meiner älteren Tochter gesagt hatte, dass ich mir nur ein Kind wünschte. Der Grund: ich konnte mir damals beim besten Willen nicht vorstellen, noch ein Kind so sehr zu lieben. Mein Mann und ich wollten all unsere Liebe und Aufmerksamkeit diesem kleinen Menschlein widmen und vermeiden, dass es mit Geschwistern im Familientrubel untergeht. Aber so ist das im Leben: es kommt immer anders als man denkt und nun, fast drei Jahre später, habe ich einen neuen kleinen Menschen, der in der Trage an mir hängt, während ich diese Worte schreibe. 

Liebe vom ersten Augenblick 

Wie ich schon in diesem Artikel geschrieben habe, machte mir diese zweite, diesmal ungeplante Schwangerschaft emotional schon zu schaffen… Sorgen bereitete mir vor allem, ob es mir wohl gelingen würde, mit diesem neuen Baby gleich eine Verbindung aufzubauen. Zwar freute ich mich auf den Nachwuchs, aber fühlte mich die gesamte Schwangerschaft über etwas weniger sicher, dem Baby weniger nah. 

Umso mehr freute ich mich, als ich schon in den ersten Stunden nach der Geburt merkte, dass die Mutterliebe da war. Ganz stark. Das Baby hatte den Platzwechsel aus meinem Bauch direkt ins Herz sofort geschafft. Und von Beginn an konnte ich es mir nicht mehr ohne ihn vorstellen. 

Kann man Liebe teilen?

Umso dringlicher also die Frage: wie kann ich dann beiden Kindern gerecht werden? Wird sich die Große benachteiligt fühlen, wenn sie ihre Tage im Kindergarten verbringt, während das Baby bei mir daheim bleiben „darf“. Wird sie eifersüchtig sein und wieder eine Windel wollen, wenn sie sieht, wie ihr kleiner Bruder liebevoll gewickelt wird? Wird sie geduldig warten können, wenn ihr Bruder gerade weint und meine volle Aufmerksamkeit benötigt? Und werde ich es schaffen, ihr dann, wenn ihr Bruder sie gerade nicht benötigt, all die Liebe zu geben, die sie so sehr verdient? 

Die Antwort: ein klares Jein…

Glücklicherweise geht unsere Tochter unheimlich gern in den Kindergarten. In ihrer Gruppe ist sie so richtig angekommen, sie hat Freundinnen, das Essen schmeckt immer gut und natürlich gibt es dort auch ganz anderes Spielzeug als daheim. Zumindest dahingehend gab es nie Probleme. Sie freut sich inzwischen, dass ihr Bruder, „wenn er kein Baby mehr ist, sondern ein Kind und laufen kann“, auch in ihren Kindergarten gehen wird. Sie möchte ihm dann alles zeigen, und ihn am liebsten schon in ihre große Gruppe mitnehmen, obwohl er ja natürlich erst einmal die Krippengruppe besuchen wird.

Auch eine Windel wollte unsere Große nie wieder, genauso wenig wie den Schnuller. Das ist beides für Babys und sie ist schließlich schon ein großes Kind. Ihre Worte. Und was das Warten anbelangt: hier überrascht mich unsere Tochter am meisten. Wie geduldig und verständnisvoll sie regelmäßig reagiert. Wie sie es stoisch erträgt, wenn ihr Bruder im Auto weint. Wie sie ganz leise spricht, wenn er gerade schläft. Wie sie fast immer geduldig abwartet, während ihr Bruder gestillt wird. Und wie es ihr nichts auszumachen scheint, wenn Mama und Papa gerade beide den kleinen Bruder knuddeln und küssen und sie für einen Moment außen vor ist. Denn auch sie wird im nächsten Moment dann auch einmal wieder das Center of Attention sein. Dann werden wir über sie staunen, sie knuddeln und ihr sagen, wie lieb wir sie haben.

Exklusive Momente

Dennoch versuche ich, immer wieder Momente nur für uns zu schaffen. Kürzlich waren wir einen Tag auf ihrem Lieblingsspielplatz. Ihr Bruder hat fast den ganzen Tag verschlafen, sodass ich mich mit 95%-iger Aufmerksamkeit nur ihr widmen konnte. Sie konnte rutschen, schaukeln, toben und buddeln und ich war die ganze Zeit dabei. Als Highlight haben wir sogar noch auf dem See, an dem der Spielplatz liegt, eine Bootsrundfahrt unternommen. Wir denken noch beide oft an diesen Tag zurück. Und ich freue mich über jede Minute, die ich auch mal nur für sie da sein kann.

Und dann gibt es diesen Abend heute. Mein Mann war unterwegs, also habe ich beide Kinder ins Bett gebracht. Während ihr Bruder noch ein bisschen in der Trage zappelt, lese ich unserer Großen ihre Gute-Nacht-Geschichte vor. Als die Geschichte zu Ende ist, drehe ich mich zu ihr um, um ihr noch einmal zu sagen, wie sehr ich sie liebe. Und dann war sie schon eingeschlafen. Zufrieden. Einfach so. Dann ist es mir heute wohl gut gelungen, die Liebe zu teilen.

 

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