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Eins, zwei oder drei? Die Wie-viele-Kinder-Frage

Wie viele Kinder?

Eins, zwei oder drei? Die Wie-viele-Kinder-Frage

„Einzelkinder können nicht teilen.“ „Man sollte immer mindestens zwei Kinder bekommen, damit das erste Kind jemanden zum Spielen hat.“ „Ein Kind ist kein Kind.“ Was für idiotische Aussagen…! Mit ihnen bin ich aufgewachsen und sie sind irgendwo fest in mir verankert, auch wenn ich heute nicht mehr an sie glaube. Umso schwerer fällt es mir heute, mit Ende 20 also, die Wie-viele-Kinder-Frage zu beantworten, die mich immer und immer wieder beschäftigt.

Vom Einzelkind zur Großfamilie?

Als die Geburt unserer Tochter näher rückte, unterhielten mein Mann und ich uns oft darüber, wie wir uns das Leben als Familie vorstellten. Wir beide freuten uns unheimlich über das kleine Wunder in meinem Bauch. Und als wir unser Töchterchen dann endlich in den Armen hielten, waren wir so von Liebe erfüllt, dass wir uns nur schwer vorstellen konnten, dieses Glück noch übertreffen zu können. Ein Kind war erst einmal genug für uns. Wir genossen es in vollen Zügen, unserer Tochter so viel Aufmerksamkeit schenken zu können. Ich nahm gern eine Auszeit vom Job und liebte (zumindest meistens) die Elternzeit. Währenddessen lernte ich auch etliche andere Mamas kennen. Eine der entspanntesten von allen war meine Freundin Angela. Obwohl sie als eine der wenigen schon drei Kinder hatte, schien sie ihren Alltag immer mit der größten Ruhe und positiven Einstellung zu bewältigen. Weil es mit unserer Tochter so gut lief, sie immer gut trank und schlief, und das Mama-sein meistens „einfach“ war, dachte ich: „Das will ich auch. Ich möchte auch eine Großfamilien-Mama sein!“ Und auch mein Mann konnte sich gut vorstellen, unsere kleine Familie mit weiteren kleinen Wundern zu erweitern.

Ich stelle mir die Frage: Wie viele Kinder möchte ich?

Erstens: es kommt immer anders

Doch so einfach wie unsere Tochter uns das Elternsein machte, umso schwer machten wir es uns gegenseitig, verheiratet zu sein. Mir fehlten der Job, Erfolg, Anerkennung und der Austausch mit anderen, die keine Eltern sind. Ich machte mir Sorgen, wie es mit meiner Karriere nach so einer langen Auszeit weiter gehen würde. Diese Unzufriedenheit ließ ich nicht selten ungewollt an meinem Mann aus, bei dem währenddessen eine Beförderung auf die nächste folgte. Elternsein, wenig Zeit für einander, Unzufriedenheit… All diese Dinge hinterließen Spuren in unserer Ehe. Wohl nicht die richtige Zeit für ein zweites Kind und auch nicht, um die Wie-viele-Kinder-Frage abschließend zu klären.

Und zweitens: als man denkt

Also stieg ich nach knapp zwei Jahren Elternzeit wieder in den Job ein, mitten im Lockdown, im Homeoffice. Alles, worauf ich mich besonders gefreut habe – gemeinsame Mittagessen, Bergfest, im Büro auf dem Gang mit Kollegen quatschen, findet wenn überhaupt nur so irgendwie virtuell statt. Die Einarbeitung läuft daher auch nur so mäßig und kaum bin ich wieder drin, ist unsere Tochter wegen der Kita-Schließungen nun rund um die Uhr bei uns daheim. Plötzlich bin ich wieder froh, doch nur ein Kind zu haben. Schon so ist der Lockdown-Alltag stressig genug.

Und trotzdem: ein klitzekleiner Kinderwunsch

Trotzdem, wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, versetzt es mir einen klitzekleinen Stich, wenn ich andere Bald-Mütter mit ihren Babybäuchen sehe. Die Erzählung einer guten Freundin über das erste Weihnachten zu viert mit ihrem neuen Baby hat mir kürzlich direkt eine Träne ins Auge getrieben. Irgendwo tief in mir drin ist die Wie-viele-Kinder-Frage einfach doch noch nicht abschließend geklärt. Aktuell ist das noch kein Problem, ich bin jetzt Ende 20 und mein Körper würde eine erneute Schwangerschaft sicher ähnlich gut meistern wie die erste. Noch habe ich Zeit. Bleiben aber zuvor noch andere Fragen zu klären: Wäre der Abstand nicht zu groß? Und was soll das überhaupt heißen? Als ob es den richtigen Abstand zwischen zwei Kindern gäbe und alles andere wäre suboptimal. Möchte ich aber überhaupt wieder von vorn anfangen, wenn unsere Kleine einmal aus dem Windel-Alter raus ist und immer selbstständiger wird? Oder möchte ich es gerade dann erstrecht? (Über diese Fragen hat auch Julia einen schönen Artikel geschrieben.) Werde ich meine gerade wieder erlangte Freiheit nicht zu sehr vermissen? Denn die Schwangerschaft bedeutet nun mal eben auch immer Verzicht, nicht „nur“ auf Alkohol, sondern auch einige Sportartarten, berufliche Weiterentwicklung, finanzielle Ziele und, und und…

Es wird also noch eine Weile dauern, bis mein Mann und ich die Wie-viele-Kinder-Frage endgültig geklärt haben. Und so langsam schlummert in mir doch noch der Wunsch, irgendwann eine Mehrfach-Mama zu sein.

Titelbild: Photo by Ben Wicks on Unsplash

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